Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

Archiv für das Schlagwort “Ulrich Meiser”

Geschichtstreffen des Brauwesens

Brauhaus-Mann Ulrich Meiser (r.) begrüßt den „Bierpapst“ Conrad Seidl.

In die Heimatstadt des Bockbieres kamen am langen Einheitswochenende gut 100 Teilnehmer des Jahrestreffens der renommierten Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens (GGB). Der 1913 in Berlin gegründete Verein mit heute rund 300 Mitgliedern kümmert sich satzungsgemäß um die Jahrtausende alte Geschichte des Bieres und seiner Rohstoffe, die Entwicklung der Bierherstellung, des Brauhandwerks und der Brautechnologie hin zur Brauwissenschaft. Er fördert die Forschung regionaler und lokaler Brauereigeschichte, hält in Berlin eine exzellente Bibliothek mit historischen Beständen bereit. In Einbeck trafen sich Mitglieder aus der Brauwirtschaft (Brauereien, Mälzereien, Zulieferbetriebe), aber auch aus der Geschichtsforschung, Archäologie, Biologie, Ethnologie sowie Sammler von Brauereigegenständen oder brauhistorisch interessierte Bierfans. Im Urbockkeller der Einbecker Brauhaus AG, die Mitglied des Vereins ist und das Treffen nicht zum ersten Mal veranstaltete, konnte Brauhaus-Exportchef Ulrich Meiser unter anderem auch den „Bierpapst“, den bekannten Bierjournalisten Conrad Seidl aus Wien begrüßen. Die 100 Teilnehmer kamen aus Deutschland, aber auch aus Dänemark, der Schweiz oder Österreich in die Heimat guter Biere, um sich auszutauschen.

Erstmals habe man neben der formalen (82.) Mitgliederversammlung auch einen Veranstaltungsteil mit drei Fachvorträgen ins Programm des Jahrestreffens genommen, sagte Vorsitzender Dr. Josef Fontaine zur Begrüßung. Dieser Teil fand im Benz-Victoria-Saal des PS-Speichers statt; das Oldtimermuseum konnten die Bier interessierten Besucher ebenso anschauen wie das Stadtmuseum (mit dem ältesten, vollständig erhaltenen Bierfass Einbecks, einem Originalexponat aus dem 15. Jahrhundert) oder natürlich die Einbecker Brauerei selbst. Auch Stadtführungen und ein Betriebsbesuch bei KWS standen auf dem Programm des GGB-Treffens.

Rund 100 Teilnehmer waren bei der Versammlung der GGB im PS-Speicher.

Ingo Weidig, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Einbecker PS-Speicher, nahm sich der Einbecker Biergeschichte an und arbeitete in seinem kulturwissenschaftlichen Vortrag („Heimat vs. Identität“) heraus, wie viel Einbeck im Einbecker steckt (eine ganze Menge, das Einbecker E sei allgegenwärtig).

Dr. Stefan Hanke, Leiter der Bitburger Versuchsbrauerei, schilderte die interessanten Versuche unter Federführung der Hochschule Trier, ausgehend von der altorientalen so genannten Ninkasi-Hymne mit Hilfe eines nachgebauten Lochbodengefäßes zu maischen und gären zu lassen, am Ende wie im Mittelalter Bier herzustellen und sozusagen nebenbei aus dem entstehenden Treber ein Brot zu backen.

John Brauer von der „European Brewery Convention“ berichtete über Ergebnisse des Schöps-Projektes in Breslau/Wroclaw. Dort ist ausgehend von (nur geringen bekannten) historischen Erkenntnissen des „Breslauer Schöps-Bieres“ 2015 ein neues Brauhaus mit Gastronomie entstanden, das heute jährlich rund 5000 Hektoliter des neuen Kultbieres produziert und vor allem vor Ort absetzt. Der Bürgermeister möchte das vollmundig-malzige „Schöps“ gerne zum offiziellen Stadtbier erklären lassen.

Ann-Kathrin Bode führte die Besucher der GGB durch das Sudhaus.

GGB-Vorsitzender Dr. Josef Fontaine (links), Ulrich Meiser (Einbecker Brauhaus AG) und GGB-Geschäftsführer Alexander Hofmann mit der Dankesurkunde für erwiesene Gastfreundschaft beim Jahrestreffen in Einbeck.

Ingo Weidig (PS-Speicher) sprach über das Einbecker Bier.

Dr. Stefan Hanke erzählte von mittelalterlichem Brauen.

John Brauer berichtete über „Breslauer Schöps“.

Sportlich an die Bannmeile erinnert

An den Bannmeilen-Steinen entlang führte die Radroute.

Laufen, walken, wandern, mit dem Fahrrad, dem Mountainbike oder dem Oldtimer fahren – es gab am Sonntag verschiedene Möglichkeiten, an die Bannmeile zu erinnern und den 40. Geburtstag der Steine zu feiern, die zum 600-jährigen Bierbeleg-Jubiläum einst in Einbecks Landwehr-Orten aufgestellt worden waren. Die verschiedenen Teilnehmer legten dabei unterschiedliche Strecken zurück. Ziel aller war am Ende der Bannmeilenstein auf der Hube. Beim Start wurde bekannt, dass die acht Bannmeilensteine von Dietrich Evers gearbeitet worden sind; der Künstler aus Wiesbaden hatte damals auch das Wandmosaik im Sudhaus gestaltet.

Vertreter der Einbecker Brauhaus AG und des Einbecker Sportvereins und des Einbecker Automobilclubs als Veranstalter begrüßten die Teilnehmer auf dem Brauereihof. 1978 waren die Steine einst aufgestellt worden, im Mai 1979 gab es dann zur offiziellen Einweihung einen Marsch zu allen acht Standorten. Dabei waren auch die Ratsmitglieder, erinnerten sich jetzt Martin Wehner und Bernd Amelung an das Ereignis vor 40 Jahren. Teilweise sei man gewandert, habe aber streckenweise auch einen Pferdewagen genutzt. Von dem man freilich nach der Hube habe absteigen müssen, weil die Strecke hinunter zum Leineturm zu steil sei. Die beiden ehemaligen Ratsherren wanderten mit nach Kuvental und waren auch abschließend auf der Hube dabei. Per Pedale waren die heutigen Ratsmitglieder Antje Sölter und Hans-Jörg Kelpe am Start.

Auf jedem Bannmeilenstein sind auch die Ausmaße der Landwehr zu erkennen, außerdem wo die einzelnen Türme standen.

Die Oldtimer-Teilnehmer mussten Wertungsaufgaben an den Bannmeilensteinen erledigen.

Auch der „Bockbringer“-Oldtimer war am Start.

Start für Wanderer wie Oldtimer war auf dem Brauereihof.

Begrüßung (v.l.): Martina Voigt und Wulf Mißling (ESV), Ulrich Meiser (Brauhaus), Jürgen Herbst (ESV), Alexander Krempig EAC), stellvertretende Bürgermeisterin Antje Sölter.

Erinnerungen: Bernd Amelung und Martin Wehner mit Ulrich Meiser und Hans-Jörg Kelpe (v.l.).

Vom Brauereihof ging es los.

Mountainbiker waren auch am Start.

Die Biker fuhren alle Bannmeilensteine an, hier in Pinkler.

Auf der Hube drehten die Läufer ihre Waldrunde.

Einbecker in Keene

Einbecker Bier gibt’s im Karton.

Zack Cooper (l.) und Gary Lamoureux und das Einbecker Bier.

Einbecker Bier ist in New Hampshire erst seit etwa einem halben Jahr zu bekommen – pünktlich zu Weihnachten war es 2018 soweit. Und das, obwohl Keene NH schon seit 2002 die amerikanische Partnerstadt von Einbeck ist. Der USA-Importeur der Einbecker Brauhaus AG ging wegen der geringen Einwohnerzahl und der noch viel geringeren Einwohnerdichte von nur recht geringen Absatzmöglichkeiten aus – der im Norden an Kanada grenzende US-Bundesstaat New Hampshire ist flächenmäßig ziemlich genau halb so groß wie Niedersachsen, hat aber nur 1,3 Millionen Einwohner (Niedersachsen: acht Millionen). Beim Hinweis auf die Städtepartnerschaft zwischen Einbeck und Keene NH war Matthias Neidhart aber sofort bereit, die von der Landesadministration aufgestellten hohen bürokratischen Hürden zu überwinden. Seitdem wird Einbecker Bier („Ainpöckisch Bier“ 1378 und Einbecker Brauherren Pils mit und ohne Alkohol) – in Keene mit einem individuell gestalteten Plakat beworben.

Kaufen kann man die Einbecker Biere vor Ort zum Beispiel im „BrewTopia“ in guter Lage in der Washington Street 40, berichtet Brauhaus-Exportchef Ulrich Meiser nach einer Reise nach Keene. Zwei Partner, Zack Cooper und Douglas Greenhalgh, haben in der Einbecker Partnerstadt im Jahr 2011 in den Räumen einer ehemaligen chemischen Reinigung nur eine Gehminute entfernt vom Rathaus das größte auf Craftbiere spezialisierte Einzelhandelsgeschäft im Bundesstaat New Hampshire eingerichtet – „weil sie es satt hatten, vergeblich nach den wirklich interessanten Bieren in Supermärkten und örtlichen Convenience-Läden zu suchen“, berichtet Meiser. Der ehemalige Feuerwehrchef Gary Lamoureux stellte beim Besucher der Einbecker persönlich den Kontakt zu Zack Cooper her.

Von einer neuen, überraschenden Erkenntnis im Laden berichtet Ulrich Meiser: New Hampshire gehört zu den fünf Bundesstaaten, die generell keine Umsatzsteuer („Sales Tax“) erheben. Dennoch beträgt der Literpreis für gutes Bier, ob aus Einbeck oder aus amerikanischer Craftbier-Herstellung, etwa 5 Dollar. Beim Abschiedsessen der Einbecker Delegation, zu dem Bürgermeister Kandell Lane am letzten Abend vor der Rückreise zu sich nach Hause eingeladen hatte, wurde zum ersten Mal bei solcher Gelegenheit für alle Gäste Einbecker Bier ausgeschenkt.

Mit auf dem Bild: Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Einbeck und langjährige Vorsitzende des Keene-Kommitees (2002 bis Anfang 2019), Albert Thormann (stehend rechts), der Sachgebietsleiter Tiefbau der Stadt Einbeck, Thomas Kreykenbohm (steht vorne links, mit Keene-Cap), der (Co-)Vorsitzende des Einbecker Sportvereins Wulf Mißling (2. Reihe von hinten, ganz links), der Ratsherr und Einbecker „Bierkutscher“ Albert Eggers (letzte Reihe 3.v.l.) und Ulrich Meiser (letzte Reihe 2.v.l.). Fotos: Einbecker Brauhaus AG/Meiser

Schneller vom Fass in die Kehle

Am Einbecker Maibaum, der jetzt wieder vor der Brauerei aufgestellt ist: Marketingleiter Ingo Schrader (l.) und Sprecher Ulrich Meiser.

Nur noch wenige Tage bis zum siebten Hoffest der Einbecker Brauhaus AG neuer Zeitrechnung. Die Vorbereitungen für den 27. April laufen auf Hochtouren, ab 13 Uhr startet an dem Sonnabend das Programm mit dem offiziellen Anstich des ersten Mai-Urbock-Fasses durch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Neuheit Nummer 1: Ein neues Ausschank-Konzept soll beim diesjährigen Hoffest erleichtern, dass Besucher ans Bier kommen. Vor einem Jahr hatte es zeitweise Probleme gegeben, die zahlreichen Besucher bei bestem Wetter zügig zu versorgen, räumen die Organisatoren ein, die sich über den immer größer gewordenen Zuspruch sehr freuen. Jedes Jahr ist die Ausschankmenge laut Marketingleiter Ingo Schrader um 20 Prozent gestiegen, weshalb das Brauhaus sich schon auf eine mögliche Vergrößerung der Feierfläche auf einen umgestalteten Neustädter Kirchplatz freue, jetzt wo der Umbau absehbar sei. Am 27. April wird es beim Hoffest statt vier einzelne Verkaufswagen zwei lange Theken geben, eine in der Verladehalle, eine draußen neben der Bühne. Die Bierleitungen werden direkt in den Durchlaufkühler führen, kein Fass muss mehr von Hand gewechselt werden. Außerdem werde mehr Personal hinter dem Ausschank eingesetzt, vor allem auch mehr Brauhaus-Mitarbeiter. „Die halbe Belegschaft ist im Einsatz“, sagt Marketingleiter Ingo Schrader. „Ich werde auch zwei Stunden ausschänken“, freut sich Sprecher Ulrich Meiser. Einziger „Verkaufswagen“ bleibt die Bockbierkutsche in der in diesem Jahr den Gästen mehr Platz bietenden Verladehalle, an der Bierspezialitäten wie das „Ainpöckisch 1378“ erhältlich sind. An den Thekenmeilen gibt es Mai-Urbock und Brauherren.

Neuheit Nummer 2: Zwischen 13 und 16 Uhr sind Brauereibesichtigungen möglich. Separate Führungen wird es jedoch nicht mehr geben, an verschiedenen Stationen stehen aber Mitarbeiter und geben Auskunft. Außerdem hat der neue Film Premiere, der den Produktionsprozess und die Abfüllung des Einbecker Bieres zeigt. In der Hauptrolle spielt der Göttinger DT-Schauspieler Ronny Thalmeyer den historischen Braumeister Elias Pichler, der einst den Münchnern das Bockbier brauen beigebracht haben soll.

Neuheit Nummer 3 (die aber eigentlich gar keine ist): Start des Hoffestes ist traditionell ein kleiner Biertreck durch die Innenstadt, der am Rheinischen Hof um 12.30 Uhr startet, über Neuen Markt, Marktplatz, Marktstraße bis zur Papenstraße führt und gegen 13 Uhr am Brauhaus ankommen wird. Der Wagen mit den Bierfässern wird wieder von Shire Horses vom Birkenhof aus Hullersen gezogen. Jeder, der möchte, kann sich vom Start oder auch während des Zuges durch die Innenstadt in den Treck einreihen, keineswegs dürfen nur Ehrengäste hinter dem Kutschwagen gehen, betonen Schrader und Meiser. Die Brauerei würde sich freuen, wenn möglichst viele Menschen gemeinsam den Fasstreck bilden. Auch Vereine und Gruppen können sich anschließen, zwei Vereine haben sich bereits angekündigt, darunter die Landsknechte.

Maibaum 2019 vor dem Einbecker Brauhaus.

Bier im Regionalregal

Ulrich Meiser reicht Einbecker Bier bei der Eröffnung des Regionalregals in Göttingen. Foto: Regionaler Erzeugerverband Südniedersachsen

Viele der regionalen Produkte verlassen „den Schutz des Hofladens“, wie es Dr. Cord Stoycke vom niedersächsischen Verbraucherschutzministerium so schön ausdrückte, und stellen sich nun dem Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel. Das Bier aus Einbeck steht dort schon länger – und dennoch gehört der Gerstensaft aus der Heimat guter Biere natürlich dazu, wenn der Regionale Erzeugerverband Südniedersachsen (mit Geschäftsstelle direkt neben der Einbecker Brauerei) sein neues „Regionalregal“ präsentiert. Mehr als 25 Lebensmittel aus der Region gibt es im Supermarkt ab sofort an einer zentralen Stelle: Der Regionale Erzeugerverband Südniedersachsen hat die ersten zwei Regionalregale der Marke „Kostbares Südniedersachsen“ aufgestellt, weitere sollen folgen. Sie bieten im Rewe-Markt von André Riethmüller in Göttingen-Geismar und im Edeka-Markt von Thomas Köhler in Göttingen-Grone vom Honig über den Ketchup bis zum Kaffee eine umfangreiche Palette regionaler Produkte gebündelt an einem Ort. Und natürlich Einbecker Bier.

„Wir versuchen den Orientierung suchenden Verbrauchern eine von Ehrlichkeit geprägte Unterstützung zu geben“, sagte Siegfried Kappey, Vorsitzender des Erzeugerverbandes, zur Motivation seines Vereins. Die Einbecker Brauhaus AG ist dort Mitglied, unterstützt die Idee. Er dankte allen Unterstützern und Partnern, die es ermöglicht hätten, nach drei Jahren vorbereitender Aufbauarbeit im Verband nun das Regionalregal für Supermärkte anzubieten. Den zwei ersten Exemplaren in Göttingen sollen weitere in der Region folgen. Wer die regionale Idee lebe wie die beiden Kaufleute mit ihren Märkten könne ebenfalls ein Regionalregal in seinem Lebensmittelmarkt aufstellen, sagte Kappey.

Dabei handelt es sich um ein Standardregal mit einem markanten, sonnengelben Design, das in Breite und Tiefe je nach aufgenommenen Produkten variiert werden kann. An den Seitenwänden informieren einige der Produzenten über ihre Betriebe und das, was sie herstellen. Das Standardregal wird ergänzt von einer mit gleichem Logo für den Verbraucher erkennbaren Kühltheke, beispielsweise für Wurstwaren. Hinzu kommt außerdem ein Obst- und Gemüseregal, in dem die Kunden Kartoffeln, Gemüse oder Äpfel finden.

Der 2016 gegründete Verein mit inzwischen mehr als 125 Mitgliedern und seiner Geschäftsstelle in Einbeck vergibt die Marke „Kostbares Südniedersachsen“ an seine Mitgliedsbetriebe, die die Kriterien erfüllen. Voraussetzung dafür, die Marke zu erreichen, ist die Herkunft der Rohstoffe und die Be- und Verarbeitung: Sie muss in den Landkreisen Northeim, Göttingen/Osterode, Goslar oder Hildesheim verortet sein. Ausnahmen sind möglich, der Rohkaffee einer Rösterei kommt beispielsweise natürlich nicht aus dem Landkreis. Und Transparenz ist dem Regionalverband sehr wichtig. Echt, ehrlich, regional – diesen Anspruch des Regionalen Erzeugerverbandes Südniedersachsen zu definieren und bei den Mitgliedsbetrieben zu überprüfen ist Aufgabe des sechsköpfigen Qualitätsausschusses unter der Leitung von Jürgen Hoffmeister.

Dr. Cord Stoycke vom niedersächsischen Verbraucherschutzministerium freute sich darüber, dass die teilnehmenden regionalen Produzenten den Schritt „aus dem Schutz des Hofladens in den Lebensmitteleinzelhandel“ gegangen seien, wie er sagte. „Das Ministerium steht hinter der regionalen Vermarktung.“ Sie biete Frische, Nähe und Transparenz und trage dazu bei, eine Identität für die Region zu schaffen.

„In der Region wird viel Gutes produziert – das wird hier deutlich“, sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler bei der Eröffnung des ersten Regionalregals. Landrat Bernhard Reuter zollte Anerkennung für den Mut der Produzentenfamilie, jetzt gebündelt im Lebensmittelmarkt präsent zu sein. „Es wird sich lohnen“, ist Reuter sicher. Es gebe immer mehr Menschen, die qualitative Lebensmittelmittel zu schätzen wüssten. Das regionale Bewusstsein, das immer mehr steige, sei nicht zuletzt auch bei den von mehr als 10.000 Menschen besuchten Regionaltagen in Waake im vergangenen September deutlich geworden. Der Landrat appellierte an die Verbraucher, die Chance zu nutzen und im Regionalregal zuzugreifen. „Ich dachte, das wäre eine kleine Nische, aber es ist eine große Fläche.“

André Riethmüller, Landrat Bernhard Reuter und Siegfried Kappey (v.l.) am Regionalregal.

Vor dem neuen Regionalregal im Supermarkt (v.l.): Rewe-Kaufmann Andre Riethmüller, Erzeugerverband-Vorsitzender Siegfried Kappey, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Edeka-Kaufmann Thomas Köhler, Jörg Helmsen von der Marketinggesellschaft Niedersachsen und Dr. Cord Stoyke vom niedersächsischen Verbraucherschutzministerium.

Einbecker in Hannover

Stefan Schostok (2.v.l.) mit (v.l.) Ulrich Meiser, Martin Deutsch und Andreas Bosk. Foto: Beuermann/Einbecker Brauhaus AG

Nicht überall gibt es Einbecker Bier. Aber vielerorts. Und seit 1397 auch nachweislich in Hannover, der heutigen Landeshauptstadt von Niedersachsen. Darauf nahm kürzlich eine illustre Runde Bezug, die sich beim Herausgeber und Chefredakteur des WirtschaftsDienstes Niedersachsen, Andreas Bosk, in der Lounge des WirtschaftsDienstes in Hannover traf. Einen kurzen Impulsvortrag hielt dabei der Einbecker Dennie Klose. Das Treffen gab Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch und Export-Leiter Ulrich Meiser eine schöne Gelegenheit, die bekannte Luther-Präsentbox und den speziellen Einbecker Playmobil-Luther an Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) zu überreichen. Schostok, seit 2013 OB-Nachfolger des heutigen Ministerpräsidenten und Einbecker Bierorden-Träger Stephan Weil (SPD), ist durch eine nach wie vor praktizierte städtische Patronatsregelung Mitglied im Kirchenvorstand der Marktkirchengemeinde in Hannover. Der 54-jährige gebürtige Hildesheimer Schostok fand viele lobende Worte über das Einbecker Bier, teilte die Einbecker Brauhaus AG mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Wer das erste nachgewiesene Einbecker Bier in Hannover erhielt? Natürlich die Schützen.

Archiv Einbecker Brauhaus AG

Goldener Bierdeckel

Der Goldene Bierdeckel 2018 geht an Bernd Schröder.

Der Goldene Bierdeckel 2018 geht an Bernd Schröder. Der 1964 geborene Sammler aus Ludwigslust setzte sich aus dem Dreier-Vorschlag am Ende durch. Der IBV, der Internationale Brauereikultur-Verband, hat die Auszeichnung bei einem Festabend im Urbockkeller der Einbecker Brauhaus AG verliehen. In Einbeck fand am Wochenende das Tauschtreffen des Vereins statt, das Sammler aus ganz Deutschland und darüber hinaus anzog. Die Brauhaus AG bekam den Dank für die Verleihungsmöglichkeit des Goldenen Bierdeckels.

Bernd Schröder ist seit dem Jahr 2000 Mitglied im IBV. Er sammelt seit 1990 Bier- und Brauerei-Etiketten aus Deutschland und Großbritannien. Schröder besitzt circa 350.000 verschiedene Etiketten. Im Laufe der Jahre besuchte er 71 Tauschtreffen im In- und Ausland, um seine Sammlung zu komplettieren. Seit 2006 ist er verantwortlich für die IBV-Vertretung Mecklenburg-Vorpommern.

Neben Bernd Schröder waren Jan Krosman aus den Niederlanden und Franz Schiener aus Österreich in dem Vorschlagstrio nominiert, aus dem die Mitglieder auswählen konnten.

Verleihung mit Bernd Schröder (Mitte), Ulrich Meiser vom Einbecker Brauhaus (l.) und IBV-Präsident Günther Maldaner. Foto: Einbecker Brauhaus AG.

Gesammelte Brauereikultur

Rund um den Bierdeckel dreht sich beim IBV-Treffen in Einbeck alles bei Präsident Günther Maldaner (r.) und seinem Vize Ulrich Schneider.

Sie sammeln Kronkorken, Bierdeckel, Etiketten, Pilsdeckchen, Kellnerblocks, Biergläser, Krüge, Flaschen, Emailleschilder, Spielkarten und vieles mehr, was mit Brauereikultur zu tun hat. Vier Mal im Jahr gibt es eine 400-seitige Sammlerzeitschrift, „Unser Steckenpferd“ genannt, für alle Mitglieder. Mehr als 1000 Mitglieder hat der IBV, der Internationale Brauereikultur-Verband, in 30 Ländern. Seit 1958 gibt es den Verband. Jetzt haben sich rund 80 Mitglieder zu einem von jährlich acht Tauschtreffen in Deutschland in Einbeck getroffen, erstmals wieder seit 1993, eigens wurde ein eigener Tauschtagsdeckel herausgegeben. Die Sammler sammeln nicht nur, sondern ordnen auch Bier- und Brauereikultur historisch ein, wie es Organisator und IBV-Vizepräsident Ulrich Schneider (Eschborn/Kassel) formuliert. Gleichzeitig fand die Verleihung des Goldenen Bierdeckels im Urbockkeller der Brauhaus AG in Einbeck statt. Beim Tauschtreffen gab es auf den Tischen in der Verladehalle alles, was das Sammlerherz begehrt.

Härke-Edelfan Joachim Bührig sucht nach dem Bierdeckel, der in seiner großen Sammlung noch fehlt.

Eigens aus Peine war Härke-Fan Joachim Bührig angereist, der einige der Kisten durchschaute, aber angesichts seiner umfassenden Härke-Sammlung kaum noch Hoffnung hatte etwas zu finden, was er noch nicht hat.

Im Oktober 2019 findet der alle zwei Jahre organisierte Weltkongress der Brauereikultur-Sammler statt, diesmal in Argentinien. 70 Clubs weltweit werden sich dort treffen. Vizepräsident Ulrich Schneider hat seine Reise schon gebucht.

Ziel des IBV ist es, den Bereich des Kulturgutes, der sich um das Volksgetränk Bier in vielfältigsten Erscheinungsformen entwickelt hat, zu bewahren, zu pflegen und zu fördern, wie es in der Satzung des IBV heißt. Er kümmert sich um die Geschichte der Brauereien, dokumentiert Beförderungsmittel für Bier und Behältnisse zum Biertransport, sammelt Bier-Werbeträger und -Trinkgefäße sowie Brauereiartikel aller Art.

Neu von einem Sammler aus Hamburg hat die Einbecker Brauerei eine 100 Jahre alte, bestens erhaltene Bierflasche ihres Vorgängers Domeier & Boden in ihre Sammlung aufnehmen können.

Export-Bier von Domeier & Boden, made in Einbeck.

Ulrich Meiser (r.) konnte eine Rarität zur Einbecker Sammlung hinzufügen, eine Einbecker Flasche mit Etikett Domeier & Boden.

Gut besucht war das Tauschtreffen in der Verladehalle in Einbeck.

Schöner Bierdeckel jetzt praktischer

Bierdeckel-Seite.

Bierdeckel sind rund. Oder eckig. Oder Kunstwerke. Oder sie haben eine originelle Stanzung wie der neue von der Einbecker Brauhaus AG, der seit einigen Monaten in der Gastronomie zuhause ist. Der Bierdeckel hat die Form der Einbecker „E“-Wappenmarke und ist auf den Gasthaus-Tischen garantiert ein Hingucker. Aber er war in seiner ersten Auflage nicht ganz so praktisch für die Wirte. Denn auf der einen Seite ist der Deckel im Farbton bis zum Rand gefärbt, auf der anderen Seite gibt es zwar einen weißen Rand, aber nur einen schmalen. Einen zu schmalen für die Gastwirte, um gut sichtbar ihre Striche dort zu markieren und zu notieren, wie viele Biere man dem Gast schon serviert hat. Diese Kritik habe man aufgenommen und eine Verbesserung jetzt umgesetzt, sagt Brauhaus-Sprecher Ulrich Meiser. Deshalb gibt es den schönen Einbecker Bierdeckel auf der einen Seite nun mit einem breiteren weißen Rand um die „E“-Marke. Dann kann dem nächsten Gasthaus-Besuch in der Heimat guter Biere ja imgrunde nichts mehr im Wege stehen.

Der weiße Rand wird breiter: Einbecker Bierdeckel in markanter Stanzung.

Bierführung: Mehr Technik, aber immer persönlich

Gästeführer im neu benannten „Schalander“-Saal des Brodhauses vor Monitor und Fassböden (v.l.): Marion Bartels, Edeltraud Hebel, Peter Nolte, Elena Küchemann.

Wer mehr über das Einbecker Bier erfahren möchte, kann eine Stadtführung mit Bierprogramm bei der Tourist-Information der Stadt Einbeck im Eicke’schen Haus buchen. Die Erläuterungen der Geschichte des Bieres aus Einbeck haben jetzt einen technischen Fortschritt erfahren, bleiben aber unverändert immer persönlich. Zwar unterstützt jetzt ein Bildschirm im Saal des Brodhauses am Marktplatz nach der Führung die Gästeführer mit Fotos und auch zwei Filmen. Die persönlichen Erklärungen bleiben jedoch erhalten. Die verschiedenen Bierprogramme der Tourist-Info, darunter das Bierdiplom, haben ein Update erhalten; seit 1995 waren sie nahezu unverändert, sind jetzt aktualisiert und modernisiert. Die laminierten Fotos zum Beispiel, die die Gästeführer den Besuchern bislang gezeigt haben und die manchmal in den hinteren Reihen schwer zu sehen waren, sind passé. In Zukunft können rund 40 Besucher (=ein Reisebus) im Saal des Brodhauses problemlos den Monitor erkennen und dabei den Gästeführern lauschen, wie sie die Historie des Gerstensaftes aus der Heimat guter Biere näher bringen. Und dazu die Inhaltsstoffe des Bieres zeigen und den Besuchern in die Hand geben können. „Allein beim Hopfen gibt es 140 verschiedene Sorten für die unterschiedlichen Biere“, sagt Gästeführerin Marion Bartels. Wie ihr Kollege Peter Nolte, gewandetet als Historischer Braumeister, ist Bartels seit ein paar Wochen Bockbiersommelier und damit besonders geschult, zu Aroma, Brauarten und Zutaten erschöpfend Auskunft geben zu können. Gezeigt wird im Saal neben einem aktuellen Video aus der heutigen Brauerei der beliebte gezeichnete Film über das Einbecker Bier im Laufe der Geschichte. Den gibt es übrigens inzwischen in englischer, französischer, schwedischer und italienischer Sprache, eine chinesische Fassung ist in Vorbereitung. Nach einer ausgedehnten Stadtführung, die schon allerlei über das Bierbrauen in Einbeck vermittelt, sitzen die Gäste der Bierprogramme abschließend im Brodhaus und lauschen in gemütlicher Atmosphäre einem Vortrag über Bierhistorie und Biertradition. Damit der Vortrag nicht zu trocken wird, gibt es natürlich Kostproben; die Einbecker Biersorten Brauherren, Bockbier und Pilsener sind immer dabei. Um das „Einbecker Bierdiplom“ zu erlangen, müssen die Teilnehmer das erworbene Wissen über das Bierbrauen testen. Wer’s schafft, ist „diplomierte Bierkennerin“ oder „diplomierter Bierkenner“ mit Urkunde.

Fass mit Namen im Brodhaus.

Neben dem neuen Bildschirm hängen im Brodhaus-Saal zwei Holzfassböden an der Wand, jeweils 200 Kilo schwer und von heimischen Handwerkern mit viel Kraft in das obere Stockwerk getragen, bedankt sich Ulrich Meiser vom Einbecker Brauhaus für den tatkräftigen Einsatz. Im Holz noch erkennbar sind die Liter-Zahlen. Das Brodhaus, das älteste Wirtshaus Niedersachsens, nennt den Saal im Obergeschoss jetzt „Schalander“. In der Sprache der Brauer ist das der Ort, an dem sich die Brauknechte seit alters her mal hinsetzen und entspannen konnten, erläutert Brodhaus-Chefin Conny Schlöter. Auch die drei Fässer, in denen die Brodhaus-Gäste in der Braudiele sitzen, essen und trinken können, haben jetzt Namen statt Nummern. „Brauherren“, „Ainpöckisch“ und „Ur-Bock“ heißen die Fässer. Das Brodhaus-Team hat sich vorgenommen, das Bier noch sensorisch intensiver erlebbar für die Gäste zu machen. Dazu gehören kulinarische Zutaten wie eine Einbecker Biervesper zum Bier ebenso wie die „Bierhochzeit“, ein traditionelles, geselliges Event, das Besucher (männlich wie weibliche) feiern können – neun Monate nach der Hochzeit, wenn die Frau noch nicht schwanger ist.

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