Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

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Posaunen im Sudhaus

Dieses Mal haben sie ihre Instrumente mitgebracht und auf diesen geblasen – nicht auf Flaschen: Der Posaunenchor Holtensen-Hullersen unter Leitung von Günter Mielke hat rechtzeitig vor dem Fest weihnachtliches Liedgut nicht auf der Einbecker Bierflasche, wie im vergangenen Jahr, sondern mit Trompete, Posaune und Tuba gespielt. Im Sudhaus der Einbecker Brauhaus AG, das mit seiner Akustik schon einmal Schauplatz von Musik war: Die Gandersheimer Domfestspiele sangen damals rund um die Sudpfannen.

Der Posaunenchor Holtensen-Hullersen spielte vorweihnachtlich im Sudhaus der Brauerei. Foto: Einbecker Brauhaus AG

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Große Klasse, beste Sahne

Lothar Gauß geht von Bord.

Mit einer liebevoll und mit vielen Details organisierten, offiziellen ebenso wie sehr persönlichen Würdigung des beruflichen Lebens und mit vielen guten Wünschen ist der Vorstandssprecher der Einbecker Brauhaus AG, Lothar Gauß, im gerade frisch umgestalteten Sudhaus-Schaltraum in den Ruhestand verabschiedet worden, am Monatsende September geht der Brauherr von Bord. „Große Klasse, beste Sahne“, bedankte sich der 65-Jährige für die lobenden Worte. Gauß arbeitete seit Juli 1989 in der Einbecker Brauerei, war seit 1997 Vorstandsmitglied und seit 2011 Vorstandssprecher des Unternehmens. „30 Jahre sind eine lange Zeit im Leben, aber in 640 Jahren Geschichte der Einbecker Brauerei nicht mal fünf Prozent“, sagte Lothar Gauß. Viele Menschen hätten in den Jahrhunderten dafür gesorgt, dass die Braustätte überhaupt so alt geworden sei. „Was nutzt der beste Trainer, wenn er kein Team hat“, dankte Lothar Gauß allen Mitarbeitern der Unternehmensgruppe – und am Ende Ehefrau Barbara. „Brauerei ist wie ein Uhrwerk, sie gibt den Takt auch in unserem Familienleben vor.“ Das werde sich nun im Ruhestand natürlich ändern, wie, das wisse er bislang nicht, große Gedanken für die kommenden Jahre habe er sich noch nicht gemacht. „Aber ich habe schon eine To-do-Liste meiner Frau entdeckt.“ Unendlich Ferien dürften damit passé sein.

Als Meister der Beharrlichkeit, als kritischen Geist mit tiefgründigem Humor, der nie laut werden musste, wenn er sprach, wenn er auch mal seinen Finger in die Wunde legte, als stets fair in der Sache – so beschrieben Vertreter der Brauwirtschaft und Wegbegleiter, die sich bei der Verabschiedung versammelt hatten, den gebürtigen Hohenzollern aus Heigerloch auf der Schwäbischen Alb. Lothar Gauß sei nie nur das eigene Unternehmen wichtig gewesen, in zahllosen Gremien und Vereinigungen von der Soziätät Norddeutscher Brauer bis zur Gesellschaft für Hopfenforschung habe sich der Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Betriebswirt engagiert, immer bestrebt den Austausch von Wissen zu fördern, sagte der Präsident des Deutschen Brauerbundes, Dr. Jörg Lehmann.

Im Sudhaus-Vorraum fand die Verabschiedung von Lothar Gauß statt.

Besonnenheit, Beständigkeit und Beharrlichkeit – das habe Lothar Gauß ausgezeichnet. Auch in schwierigen Zeiten habe er sich für das Einbecker Brauhaus eingesetzt, beispielsweise bei der Herauslösung aus dem Brau&Brunnen-Konzern, würdigte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und gleichzeitig Vertreter des heutigen Mehrheitsaktionäts IREKS, Jürgen Brinkmann. Der scheidende Vorstandssprecher habe die Braustätte Einbeck wieder wettbewerbsfähig gemacht. Nach ersten Kontakten 1996 als Malz-Lieferant habe Gauß die IREKS 2011 überzeugt, als Aktionär bei der Einbecker Brauhaus AG einzusteigen. Er dankte Gauß für einen nimmermüden Einsatz, präzise und bis zum letzten Arbeitstag am Ziel arbeitend habe dieser den technischen Masterplan umgesetzt.

„Ein Brauer, der nicht baut, braut nicht mehr lang“, zitierte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die wie Gauß in Weihenstephan studiert hat, eine Maxime des Berufsstandes. Durch die Millionen-Investitionen am Standort Einbeck habe das Unternehmen, maßgeblich von Lothar Gauß und seinem Auge für technische Abläufe beeinflusst, den Wirtschaftsstandort Einbeck gestärkt. Insgesamt 187 Azubis hätten in Gauß‘ Zeit ihren Berufsstart im Brauhaus absolviert. Die Brauerei sei ein „grandioser Werbeträger der Stadt“, überall werde man auf das Bier angesprochen, freute sich die Bürgermeisterin.

Von „Bierkutscher“ Albert Eggers erhielt Lothar Gauß die Bierkutscher-Kappe h.c., ehrenhalber. „Einbecker Bier macht willensstark, charakterfest und erfolgreich“, sagte der Historische Bierkutscher im Sudhaus launig. „Schaut Euch den Lothar an.“

Premiere im Sudhaus

Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch (r.) begrüßt Mitglieder des Ensembles im Sudhaus.

Das gab’s zuvor noch nie: ein Ständchen im Sudhaus der Einbecker Brauhaus AG zwischen Läuterbottich, Würzpfanne, Whirlpool und Maischbehältnis. Die Akustik ist gut dort, wo das Einbecker Bier gebraut wird, das wurde bei der Premiere im Sudhaus schnell deutlich. Einige Mitglieder des Ensembles der Gandersheimer Domfestspiele hatten für ihre Brauereibesichtigung eigens ein Lied getextet und haben dieses live vor Ort gesungen. Zur Melodie des Operettenklassikers „Wien, Wien, nur Du allein“ ging es natürlich um den Gerstensaft. „Bier, Bier, nur du allein, sollst das Getränk meiner Freude sein“, lautete der modifizierte Refrain. „Gleich wird das Fass frisch angezapft, schon komm’n die Leute angestapft. Bier, Bier, nur du allein, sollst das Getränk meiner Freude sein. Womit ich glücklich und selig bin, ist Bier, mein Einbecker Bier!“

Kultur im Sudhaus kann es auch künftig geben: Die Einbecker Brauhaus AG ist Sponsor des größten Freilichttheaters Niedersachsens, das 2018 zur 60. Spielzeit nach Bad Gandersheim einlädt. Und die Brauerei kann im kommenden Jahr 640 Jahre auf ihre älteste erhaltene Rechnung im Jahr 1378 zurückblicken. Gemeinsam bringe man es also auf 700 Jahre, sagte Vorstand Martin Deutsch, der die Ensemblemitglieder begrüßte. Und damit war das Ständchen perfekte Probe für Pläne im Jubiläumsjahr.

 

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