Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

Archiv für das Schlagwort “Sigmar Gabriel”

Pancket-Tradition

Der Krug zum Pancket.

Das Goslarsche Pancket gehört neben der Bremer Schaffer-Mahlzeit und dem Matthaei-Mahl in Hamburg zu den bekanntesten Festmahlen in Norddeutschland, die an eine mittelalterliche Tradition und die Zeiten der Hanse anknüpfen. Glanzpunkt des Abends ist der mittelalterliche Schmaus, zubereitet nach Originalrezepten eines der ältesten in Deutschland erschienenen Kochbücher aus dem Jahr 1587. Bei der 40. Veranstaltung seit 1967 war jetzt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser als Festredner zu Gast in Goslar, vor zwei Jahren war es der damalige Bahn-Chef Rüdiger Grube, der das Fass Einbecker Bier anstach. Seit jeher wird beim Goslarschen Pancket Ainpöckisch Bier gereicht, das naturtrübe Bockbier, gebraut nach mittelalterlicher Rezeptur, unfiltriert und hopfenbetont. Ausgeschänkt wurde das Ainpöckisch Bier, das es sonst nur als Flaschenbier gibt, auch heuer wieder exklusiv als Fassbier in besonderen Tonkrügen mit dem Wahrzeichen der Stadt Goslar, der Kaiserpfalz. Die Wenigsten wissen, dass die frühere städtische Brauerei in Goslar 1918 von der Einbecker Brauerei übernommen und seit 1945 von Einbeck aus verwaltet wurde. „Die Region Goslar ist Einbeck nicht zuletzt durch das Einbecker Bier eng verbunden“, sagt Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch, der mit dem Siemens-Chef und dem Oberbürgermeister das erste Fass traditionell anstach.

Das Traditionsmahl in der Kaiserpfalz mit rund 200 Gästen hatte neben Joe Kaeser einen zweiten Hauptdarsteller: Noch-Außenminister Sigmar Gabriel. Der SPD-Politiker, der dem neuen Bundeskabinett nicht mehr angehören wird, lebt in Goslar und hat bekanntlich als junger Student für das Einbecker Brauhaus als Bierfahrer in Goslar gejobt. Gabriel erhielt von vielen Seiten Zuspruch und Balsam für die verletzte Genossen-Seele – auch vom Goslarer Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk, der früher der CSU und heute der CDU angehört. „Grob falsch“ sei die Entscheidung, dass Gabriel nicht länger Minister bleibe, sagte Junk. Sigmar Gabriel hatte den Kontakt zum Vorstandsvorsitzenden des Weltkonzerns Siemens, dessen Gründerfamilie in Goslar ihre Wurzeln hat, vermittelt. Der OB wies auch Kritik am Pancket zurück. Das Festmahl im mittelalterlichen Stil gebe den Gästen aus Politik und Wirtschaft die Gelegenheit, so über Geschäfte zu reden, wie es im Mittelalter der Rat mit Kaufleuten von Nah und Fern bei einem Glas Wein oder Bier getan habe, sagte Junk. Weitere Fotos vom Goslarschen Pancket, auch mit Sigmar Gabriel, finden sich hier.

In Einbeck wird die frühere Tradition eines „Hanse-Banketts“ seit Jahren leider nicht mehr fortgeführt.

Prost, Einbecker! Goslars OB Dr. Oliver Junk, Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch und Siemens-Chef Joe Kaeser (v.r.) nach dem Pancket-Anstich. Foto: Stadt Goslar

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Gabriels Gespräche an der Würzpfanne

Wie wird das Einbecker Bier gebraut: Darüber informierten Brauer Jörg Müller (r.) und Vorstand Walter Schmidt (2.v.r.) Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel an der Würzpfanne im Sudhaus.

Blickte in die Würzpfanne: Sigmar Gabriel mit Brauer Jörg Müller (r.) und Vorstand Walter Schmidt (2.v.r.) im Sudhaus.

Wie war das noch mal mit den Münchnern? Die haben doch von den Einbeckern das Bier brauen gelernt, oder? Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel wollte es ganz genau wissen, ließ es sich von den Einbecker Brauhaus-Vorständen Lothar Gauß und Walter Schmidt noch eimal ganz genau erklären, als er am Donnerstag mit Verspätung, dann aber doch länger als erwartet die Brauerei in Einbeck besuchte. Empfangen wurde Gabriel von Vorstand und Betriebsrat (Knut Schiemann, Irina Bohne und Arnold Schwulera) der Brauhaus AG  sowie von Holger Eichele, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, und Michael Scherer, Geschäftsführer Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände, dessen Präsident Einbecker-Vorstand Lothar Gauß ist. Die Einladung an Gabriel hatte schon längere Zeit bestanden.

Laugenbrezel und Häppchen.

Laugenbrezel und Häppchen.

Guck mal, Roy: Vom legendären Biertreck konnte Gabriel dem CDU-MdB berichten.

Guck mal, Roy: Vom legendären Biertreck konnte Gabriel dem CDU-MdB berichten.

Für den Minister und ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten mit Wahlkreis Goslar war die Visite ein bisschen wie nach Hause kommen: 1982 hatte Sigmar Gabriel als Werkstudent in der damals zum Einbecker Brauhaus gehörenden Goslarer Brauerei gejobbt. Da seien dolle Dinge passiert, deutete Gabriel an, öffentlich erzählen mochte er die Anekdoten lieber nicht. Der SPD-Vorsitzende war offiziell in Einbeck zu Gast in der Brauerei, um sich über aktuelle Themen und Entwicklungen der Braubranche zu informieren. Der Bundeswirtschaftsminister verschaffte sich einen Eindruck über die Leistungsfähigkeit der deutschen Brauwirtschaft, Bier soll’s jedoch keins gegeben haben. Nach einem kurzen Rundgang durch das Sudhaus tauschten sich die Vertreter des Deutschen Brauer-Bundes sowie der Einbecker Brauhaus AG mit Sigmar Gabriel sowie den örtlichen Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) und Dr. Roy Kühne (CDU) in einem vertraulichen Hintergrund-Gespräch im Urbock-Keller aus. Laugenbrezeln, Schnittchen und Getränke warteten.

„Die Einbecker Brauhaus AG ist ein Unternehmen mit langer Tradition und überzeugt mit hoher Qualität und einer breiten Produktpalette“, ließ sich der Minister nach dem Gespräch zitieren. Nach seinem Kurzbesuch in Einbeck reiste Sigmar Gabriel vom Bad Gandersheimer Flugplatz per Hubschrauber zum nächsten Termin nach Lübeck.

Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD-MdB), Knut Schiemann (Vorsitzender), Irina Bohne und Arnold Schwulera,

Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD-MdB), Betriebsrat Arnold Schwulera, Betriebsrätin Irina Bohne, Vorstand Walter Schmidt, Knut Schiemann (Betriebsratsvorsitzender), Sigmar Gabriel, Vorstand Lothar Gauß, Holger Eichele, Michael Scherer (v.l.).

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