Einbecker Bierblog

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Erstmals Gesundheitstag für Brauhaus-Mitarbeiter

Mit dem Altersanzug „Gert“ war es nicht mehr so leicht, einen Bierkasten zu heben.

Zum Auftakt des neuen Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) im Einbecker Brauhaus fand ein Gesundheitstag in der Verladehalle in Einbeck statt. Rund 180 Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen, aus der Logistik und dem Getränke-Center ebenso wie aus Peine von der Härke-Brauerei, haben teilgenommen und in acht Gruppen die verschiedenen Stationen absolviert. Solche Gesundheitstage werde es in Zukunft regelmäßig geben, kündigte die Kaufmännische Leiterin Dorte Simon an. Jeder Mitarbeiter verbringe einen Großteil des Tages bei der Arbeit, da wolle das Brauhaus als Arbeitgeber künftig immer mal wieder auf Themen wie Bewegung, Stress oder Ernährung hinweisen. Aktive Pause könnten beispielsweise eine immer gleiche Körperhaltung über lange Zeit verhindern. Die Themen Arbeitssicherheit und Rückengesundheit standen beim ersten Gesundheitstag im Mittelpunkt. Die Teilnahme an der Veranstaltung war verpflichtend und fand während der Arbeitszeit statt.

Bei einem Rückenparcours informierten verschiedene Experten, wie man so hebt und trägt, dass wenig Kraft auf die Bandscheibe drückt. Im so genannten Altersanzug „Gert“, der durch verschiedene Versteifungen und eine Brille eine Alterung simuliert, war es schon nicht mehr ganz so einfach, einen Bierkasten richtig anzuheben und sich zu bewegen. Der Stapler-Kippsimulator der Berufsgenossenschaft zeigte, wie wichtig ein Anschnallen und ein Schließen der Türen beim Gabelstapler für die eigene Sicherheit ist, wenn dieser mal umkippen sollte. Da beim Stapler nur der Sitz gefedert ist, sind optimale Sitzeinstellungen außerdem wichtig für einen gesunden Rücken, das zeigte eine andere Simulation den Mitarbeitern.

Die Brauhaus-Azubis hatten für den Abschluss des Parcours für die Mitarbeiter ein kleines Catering mit gesunden Snacks vorbereitet.

Beim Heben eines Bierkastens zeigt der Computer, welche Druckkraft auf die Bandscheibe wirkt.

Dieser Simulator zeigte den Brauhaus-Mitarbeitern, wie wichtig der gut eingestellte gefederte Sitz des Gabelstaplers ist.

 

Der Gabelstapler-Kippsimulator zeigte, wie wichtig Anschnallen und geschlossene Tür sind.

Genuss mit Verantwortung

(c) fb Frank Bertram

Lothar Gauß (l.) begrüßt Sozial- und Gesundheitspolitiker aus SPD- und Grünen-Landtagsfraktion im Urbockkeller zum Austausch über Suchtprävention.

Bier ist ein Genussmittel. Wer Bier herstellt, ist gleichzeitig ein alkoholproduzierendes Unternehmen. Und trägt Verantwortung dafür, dass aus dem Biergenuss keine Alkoholsucht wird. Das Einbecker Brauhaus stellt sich seiner Verantwortung seit vielen Jahrzehnten, arbeitet beispielsweise aktiv an Kampagnen wie „Don’t drink and drive“ mit. Zu einem Austausch über Fragen der Suchtprävention haben sich die Sozial- und Gesundheitspolitiker der SPD- und Grünen-Landtagsfraktionen bei ihrer Klausurtagung in Einbeck auch im Brauhaus getroffen – mit Vorstandsprecher Lothar Gauß, Betriebsratschef Knut Schiemann sowie Personalchef Werner Arzeus. Auf Stippvisite mit dabei war auch Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD).

Rund 30.000 Hektoliter des jährlichen Bierausstoßes von 600.000 Hektoliter sind alkoholfreies Bier. Die Einbecker Brauhaus AG wirbt nach den Worten ihres Vorstandssprechers aktiv für einen vernünftigen, maßvollen Umgang mit Biergenuss. Als regionales Unternehmen wirke man zwar tief in die Gesellschaft, „in vielen Bereichen nicht spektakulär“, so Lothar Gauß, unterstütze beispielsweise hiesige Vereine mit Fußbällen oder Anzeigen in der Stadionzeitschrift. Das Unternehmen habe sich aber zur Auflage gemacht, nicht mit jungen Menschen zu werben, es gebe keine Trikotwerbung bei Jugendmannschaften. Auch den Verkauf von Bier schon an 16-Jährige unterstützt das Brauhaus bewusst nicht. Mit 15 Auszubildenden, einer hohen Quote, will das Brauhaus lieber bewusst ein Zeichen setzen und jungen Menschen durch einen Arbeitsplatz eine Perspektive bieten – in der Heimat.

Sind Mitarbeiter einer Brauerei alkoholgefährdeter durch die Präsenz des Produktes, wollten die Sozialpolitiker wissen. Nicht mehr Probleme mit Alkohol im Betrieb als in anderen Unternehmen auch gibt es nach Angaben von Personalchef und Betriebsrat. Im Gegenteil sei man sogar eher sensibel für die Problematik – abgesehen von der Tatsache, dass in einer technisierten Brauerei mit großen Maschinen, Gabelstaplern und hoher Arbeitssicherheit ein absolutes Alkoholverbot logisch und unumgänglich ist. Seit vielen Jahren kooperiert das Einbecker Brauhaus mit dem Lukas-Werk bei der Suchtprävention. In der Vergangenheit sei in der Funktion des betrieblichen Suchtkrankenhelfers ein trockener Alkoholiker aktiv gewesen, der sich besonders glaubwürdig und erfahren um seine Kollegen kümmern und ihnen helfen konnte. Denn ja, schilderten Personalchef und Betriebsrat, es habe Probleme mit alkoholisierten Mitarbeitern gegeben. Inzwischen hat die Brauerei ein eigenes Alkoholmessgerät – auch als Druckmittel, das mit Konsequenz eingesetzt wird. Die Zeiten, in denen zwei Liter Freitrunk pro Tag noch in der Brauerei und damit während der Arbeitzeit laut Manteltarifvertrag für die Beschäftigten erlaubt waren, sind seit 40 Jahren vorbei.

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Berufsausbildung im Brauhaus

Sind Azubis im Brauhaus (v.l.)

Sind Azubis im Einbecker Brauhaus (v.l.): Lea Bindewald, Mauritz Becker, Lukas Wiegand und Catharina Koch.

In einer Brauerei wie der Einbecker arbeiten viele Menschen mit unterschiedlichen Berufen, nicht allein Brauer. Schließlich produziert die Aktiengesellschaft pro Geschäftsjahr mehr als 600.000 Hektoliter Bier pro Jahr. Da braucht es Industriekaufleute, Elektroniker für Betriebstechnik sowie Informatikkaufleute und manches mehr, damit das Bier aus Einbeck beim Kunden ankommt. Gut zehn Prozent der Beschäftigten sind Auszubildende, aktuell 15. Die Einbecker Brauhaus AG ist sich ihrer gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Verantwortung bewusst, betonen die Vorstände Lothar Gauß und Martin Deutsch. Aber nicht allein die Quantität zählt beim Ausbildungsengagement in der Brauerei, auch die Qualität der praxisbezogenen Ausbildung wird in jedem Jahr durch die guten Ergebnisse der Abschlussprüfungen dokumentiert, sagt Werner Arzeus, Leiter Personal und Verwaltung. „Wir durchlaufen alle Abteilungen und lernen kennen, wie diese zusammenhängen“, sagt Catharina Koch. Die 19-Jährige erlernt in den nächsten drei Jahren den Beruf der Industriekauffrau. Auch Azubi-Kollege Lukas Wiegand (20) lobt die Vielfalt der Industriekaufmann-Ausbildung, die er bereits in den ersten 100 Tagen seit Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August kennenlernen konnte. In der Produktion war er live dabei, in der Buchhaltung haben ihn besonders die vielen Produkte und Rohstoffe auf den Rechnungen fasziniert, die notwendig sind, um ein gutes Bier zu brauen.

Und natürlich braucht es gute Brauer und Mälzer. Mauritz Becker hat diesen Beruf nach seinem Abitur in den vergangenen drei Jahren erlernt, steht kurz vor seiner Prüfung vor der Handwerkskammer in Bremen. Wie viele seiner Vorgänger konnte auch der 21-Jährige seine Ausbildungszeit um ein halbes Jahr wegen guter Leistungen verkürzen. Becker möchte im nächsten Jahr in Weihenstephan sein Studium beginnen, Rückkehr zum Einbecker Brauhaus danach nicht ausgeschlossen. Wobei ihm auch andere Jobs in der Getränke- und Lebensmittelindustrie offen stehen. „Brauer gelten als reinlich“, sagt er. Und sind damit besonders gefragt. Die Ausbildung zum Brauer und Mälzer hat ihm gut gefallen, auch oder gerade, weil 50 Prozent des Jobs aus Reinigung besteht. Schließlich ist Bier ein Lebensmittel, das in stets gleicher Qualität hergestellt werden muss. Das Interesse am Beruf des Brauer und Mälzers hat ein Freund seines Vaters geweckt. Bei den Prüfungsanforderungen, die Mauritz Becker im Dezember bevorstehen, wird deutlich, was ein Brauer können muss: Im mathematisch-naturwissenschaftlich geprägten theoretischen Teil die Säurekonzentration für die Reinigung des Tanks berechnen oder das gelieferte Malz bewerten, ob die Qualität ausreicht, oder ob es nochmal getrocknet oder sortiert werden muss. Im praktischen Teil gilt es beispielsweise die Qualität der Stammwürze zu prüfen, ein Ventil zu reparieren oder eine Pumpe zu prüfen, ob diese funktioniert. Und dann muss der Brauer schließlich auch alle EDV-Programme kennen, die in großen Brauereien wie der Einbecker zum Einsatz kommen. Rasmus Johann Schad hat seine Ausbildung zum Brauer und Mälzer gerade begonnen.

Und auch schon vor der eigentlichen Berufsausbildung ist es möglich, ins Einbecker Brauhaus hineinzuschnuppern. Lea Bindewald absolviert bis August 2017 ein Praktikum. Die 16-Jährige besucht die Klasse 11 der Fachoberschule Wirtschaft der BBS I Northeim. Drei Tage der Woche ist sie im Brauhaus, hat bereits die Abteilungen Logistik und Finanzbuchhaltung kennenlernen können. Als Praktikant im Rahmen des Studiums ist Jasper Schnepel zurzeit im Einbecker Brauhaus unterwegs.

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