Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

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Beer’s coming home

Video-Installation beim Zugang zur Hauptversammlung.

Drei Jahre lang kamen die Aktionäre der Einbecker Brauhaus AG nicht in dem Ort zu ihrer Hauptversammlung zusammen, der dem Unternehmen seinen Namen gibt. Drei Jahre lang war das Unternehmen mit seinem Aktionärstreffen in der Kreisstadt Northeim zu Gast. Jetzt ist man zurück in der Heimat guter Biere, heuer fand die Hauptversammlung wieder in Einbeck statt – in der PS-Halle des Oldtimer-Ausstellungshauses PS-Speicher (hier geht’s zu allen Zahlen und Fakten). Keine schlechte Wahl, steht doch mit der neuen, erst vergangenes Jahr eröffneten Ausstellungs- und Eventhalle jetzt eine gute Location in Einbeck zur Verfügung. Grundsätzlich jedenfalls. Die Premiere darf als gelungen bezeichnet werden, selbst wenn von den 500 angemeldeten Aktionären am Ende nur 300 da waren, sich ein wenig im großen Saal verloren haben, da spielte sicherlich auch ein gutes Teil die drückende Hitze heute eine Rolle.

Willkommen im PS-Speicher.

Ob die Hauptversammlung im kommenden Jahr erneut in der PS-Halle stattfinden wird, steht noch nicht fest; der Kostenfaktor sei durchaus mit der Stadthalle Northeim vergleichbar, antwortete der Vorstand auf eine entsprechende Aktionärsfrage heute. Es spricht also einiges dafür, zumal in der PS-Halle eine solche Veranstaltung imgrunde optimal inszeniert werden kann. Sichtbar wurde das beispielsweise an der Video-Tunnel-Installation beim Zugang zum Versammlungsraum. Auch die neue Bockbierkutsche vor dem Kornhaus hatte einen idealen Platz. Ein paar Dinge sollten dann im nächsten Jahr allerdings noch beachtet werden, damit das Treffen der Brauhaus-Anteilseigner noch harmonischer über die Bühne geht. Das Aktienrecht mag strenge Vorschriften machen was Zu- und Abgang zum so genannten Präsenzraum eines Aktionärstreffens betrifft, aber ein (direkter) Zugang mehr wäre optimaler, dann müssten sich nicht alle durch einen (heute zudem sehr aufgeheizten) Vorraum drängeln. Wenn dann die Toilettenanlage auch noch zum Versammlungsgelände gezählt wird (und die Zugangskontrolle einfach nur ein paar Meter weiter vorgezogen wird), erleichtert das manchen Besucher und erspart wiederholte Kontrollen. Und vor allem, wo man schon mal in einer Oldtimer-Sammlung zu Gast ist: Bitte nächstes Mal auch einen Oldtimer in die PS-Halle stellen, da dürfte sich doch wohl ein historisches Brauereigefährt finden lassen!

Der neue Ausschankwagen Bockbierkutsche war vor dem PS-Speicher aufgebaut.

Alles beim Alten

Aufsichtsrat und Vorstand (v.l.): Jürgen Brinkmann, Vorstandssprecher Lothar Gauß, Dr. Wilhelm Helms, Arnold Schwulera, Vorstand Martin Deutsch, Robert A. Depner, Kai Binder, Knut Schiemann, Tobias Waltl.

Aufsichtsrat und Vorstand (v.l.) im Juni 2016: Jürgen Brinkmann, Vorstandssprecher Lothar Gauß, Dr. Wilhelm Helms, Arnold Schwulera, Vorstand Martin Deutsch, Robert A. Depner, Kai Binder, Knut Schiemann, Tobias Waltl.

Im Aufsichtsrat setzt die Einbecker Brauhaus AG auf Erfahrung und Kontinuität. Einziges neues Gesicht nach den den Wahlen des Kontrollgremiums der Aktiengesellschaft ist Tobias Waltl (Geschäftsführer Wagner-Möbel, Mindelheim). Weiterhin gehören dem Aufsichtsrat Robert A. Depner (Vorsitzender), Dr. Wilhelm Helms und Jürgen Brinkmann an. Während größtenteils Wahlergebnisse von über 90 Prozent Zustimmung zu verzeichnen waren, kam Dr. Wilhelm Helms auf lediglich auf rund 56 Prozent Zustimmung der Aktionäre bei der Hauptversammlung. Ein Gegenantrag einer Aktionärsgruppe rund um Großaktionär Reinhard Ender (Köln), Helms abzulösen und stattdessen (wieder) Ender selbst im Aufsichtsrat zu etablieren, lief letztlich ins Leere und fand keine Mehrheit. Kai-F. Binder (Pforzheim) ist jetzt Ersatzmitglied im Aufsichtsrat der Einbecker Brauhaus AG. Knut Schiemann und Arnold Schwulera bleiben Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerseite.

Die gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen erfüllen die Einbecker Bierbrauer zu 0 Prozent. Dafür gibt es aber einen triftigen Grund: Der Aufsichtsrat hat sich nach eigener Aussage bei seinen Wahlvorschlägen davon leiten lassen, dass die Mitglieder des Kontrollgremiums die Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen haben müssten, um die erforderlichen Aufgaben zu erfüllen. Und Frauen in der Brauer-Branche sind Mangelware.

Das gilt auch für den Vorstand: Im Vorstand ist keine Frau und wird es auch bis 30. Juni 2017 nicht geben, denn dafür müsste der zweiköpfige Vorstand erweitert werden, hieß es. Bis Ende Juli 2018 sind keine personellen Veränderungen im Vorstand geplant.

Ein Amber Ale auf die Dividende

Amber Ale von der Braumanufaktur Härke.

Amber Ale von der Braumanufaktur Härke.

Überschäumender Optimismus wäre übertrieben gewesen, aber nach siebenjähriger Durststrecke zeigten sich die Aktionäre der Einbecker Brauhaus AG heute bei der Hauptversammlung des Unternehmens durchaus zufrieden, hatten kaum kritisiche Fragen und beschlossen ohne großen Zeitverzug eine 6-Cent-Dividende: Nach kaum zweieinhalb Stunden war alles vorbei, konnten sich die Anteilseigner der Brauerei (147 Mitarbeiter) außer an der traditionellen Gulaschsuppe an einer Spezialität laben: Der Vorstand kredenzte ein nach dem Craftbier-Trend produziertes Amber Ale, das die Braumanufaktur Härke (Peine) speziell zum Hoffest am vergangenen Wochenende und für ausgewählte Gastronomie eingebraut hatte. Die 125-jähriges Jubiläum feiernde Härke-Brauerei gehört zur Einbecker-Gruppe.

Die Einbecker Brauhaus AG ist auch im jetzt bilanzierten Geschäftsjahr 2014 die Nummer 1 auf dem deutschen Bockbiermarkt. Das sagte Vorstandssprecher Lothar Gauß. Bei den Einbecker-Marken habe man im vergangenen Jahr 1,4 Prozent mehr Bier absetzen können, allerdings habe man feststellen müssen, dass die sehr positive Entwicklung bei Landbier und Kellerbier teilweise zulasten von Einbecker Pilsener gehe.

Die heutige Hauptversammlung war auch der erste öffentliche Auftritt von Martin Deutsch bei den Einbecker Bierbrauern. Der 50-Jährige aus Fürstenfeldbruck tritt im Oktober die Nachfolge von Walter Schmidt (64) an, der in den Ruhestand geht. Für Deutsch schließt sich nach eigener Aussage damit ein Kreis – „nach 400 Jahren“, wie der Bayer mit unüberhörbarer, leichter Dialekt-Note lächelnd den Aktionären berichtete. Denn vor 25 Jahren habe er erstmals während der Ausbildung zum Brauer und Mälzer beruflich Berührung mit Bier aus Einbeck gehabt. Dabei habe er natürlich gelernt, woher denn das Bockbier ursprünglich stammt und dass die Münchener den Einbeckern einst 1612 den Braumeister abgeworben hatten. Martin Deutsch, der mit Ehefrau Petra (Garten- und Landschaftbauerin) und ohne die zwei erwachsenen Söhne nach Einbeck ziehen wird, war nach Ausbildung und Studium zunächst in Kulmbach und Kaufbeuren tätig, und nach einem dreijährigen „Ausflug in den alkoholfreien Bereich“ bei Apollinaris/Schweppes dann insgesamt 13 Jahre für den Deutschland-Vertrieb der Paulaner-Brauerei München zuständig. Zuletzt arbeitet Martin Deutsch als Geschäftsführer Vertrieb/Marketing bei Schneider Weisse, bis ihn der Aufsichtsrat der Einbecker Brauhaus AG im März mit Wirkung vom 1. Oktober zum Vorstandsmitglied bestellt hat.

Aufmerksamer Beobachter: Martin Deutsch (links) wird ab Oktober neuer Vorstand der Einbecker sein, Walter Schmidt und Lothar Gauß (kl. Foto) begrüßten ihn.

Aufmerksamer Beobachter beim Aktionärstreffen: Martin Deutsch (links) wird ab Oktober neuer Vorstand der Einbecker Brauhaus AG sein, Walter Schmidt und Lothar Gauß (kl. Foto) begrüßten ihn. Foto/Montage

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