Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

Archiv für das Schlagwort “Alkohol”

Genuss mit Verantwortung

(c) fb Frank Bertram

Lothar Gauß (l.) begrüßt Sozial- und Gesundheitspolitiker aus SPD- und Grünen-Landtagsfraktion im Urbockkeller zum Austausch über Suchtprävention.

Bier ist ein Genussmittel. Wer Bier herstellt, ist gleichzeitig ein alkoholproduzierendes Unternehmen. Und trägt Verantwortung dafür, dass aus dem Biergenuss keine Alkoholsucht wird. Das Einbecker Brauhaus stellt sich seiner Verantwortung seit vielen Jahrzehnten, arbeitet beispielsweise aktiv an Kampagnen wie „Don’t drink and drive“ mit. Zu einem Austausch über Fragen der Suchtprävention haben sich die Sozial- und Gesundheitspolitiker der SPD- und Grünen-Landtagsfraktionen bei ihrer Klausurtagung in Einbeck auch im Brauhaus getroffen – mit Vorstandsprecher Lothar Gauß, Betriebsratschef Knut Schiemann sowie Personalchef Werner Arzeus. Auf Stippvisite mit dabei war auch Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD).

Rund 30.000 Hektoliter des jährlichen Bierausstoßes von 600.000 Hektoliter sind alkoholfreies Bier. Die Einbecker Brauhaus AG wirbt nach den Worten ihres Vorstandssprechers aktiv für einen vernünftigen, maßvollen Umgang mit Biergenuss. Als regionales Unternehmen wirke man zwar tief in die Gesellschaft, „in vielen Bereichen nicht spektakulär“, so Lothar Gauß, unterstütze beispielsweise hiesige Vereine mit Fußbällen oder Anzeigen in der Stadionzeitschrift. Das Unternehmen habe sich aber zur Auflage gemacht, nicht mit jungen Menschen zu werben, es gebe keine Trikotwerbung bei Jugendmannschaften. Auch den Verkauf von Bier schon an 16-Jährige unterstützt das Brauhaus bewusst nicht. Mit 15 Auszubildenden, einer hohen Quote, will das Brauhaus lieber bewusst ein Zeichen setzen und jungen Menschen durch einen Arbeitsplatz eine Perspektive bieten – in der Heimat.

Sind Mitarbeiter einer Brauerei alkoholgefährdeter durch die Präsenz des Produktes, wollten die Sozialpolitiker wissen. Nicht mehr Probleme mit Alkohol im Betrieb als in anderen Unternehmen auch gibt es nach Angaben von Personalchef und Betriebsrat. Im Gegenteil sei man sogar eher sensibel für die Problematik – abgesehen von der Tatsache, dass in einer technisierten Brauerei mit großen Maschinen, Gabelstaplern und hoher Arbeitssicherheit ein absolutes Alkoholverbot logisch und unumgänglich ist. Seit vielen Jahren kooperiert das Einbecker Brauhaus mit dem Lukas-Werk bei der Suchtprävention. In der Vergangenheit sei in der Funktion des betrieblichen Suchtkrankenhelfers ein trockener Alkoholiker aktiv gewesen, der sich besonders glaubwürdig und erfahren um seine Kollegen kümmern und ihnen helfen konnte. Denn ja, schilderten Personalchef und Betriebsrat, es habe Probleme mit alkoholisierten Mitarbeitern gegeben. Inzwischen hat die Brauerei ein eigenes Alkoholmessgerät – auch als Druckmittel, das mit Konsequenz eingesetzt wird. Die Zeiten, in denen zwei Liter Freitrunk pro Tag noch in der Brauerei und damit während der Arbeitzeit laut Manteltarifvertrag für die Beschäftigten erlaubt waren, sind seit 40 Jahren vorbei.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Den Richtigen erwischt

Auf Ex geleert: Bernd Busemann ließ sich nicht lange zum Bier bitten.

Auf Ex geleert: Bernd Busemann ließ sich nicht lange zum Bier bitten.

Das dachte sich die gesamte fröhliche Narrenschar im bis auf den letzten Platz ausgelassen feiernden Rathaussaal; seine launige Rede inklusive karnevalistisch ausgeschmückter Handy-Störung durch die Frau Bundeskanzlerin, war gerade zu Ende gegangen: „Ihr habt heute den richtigen Ordensträger erwischt“, sagte Bernd Busemann nicht ohne Selbstbewusstsein zum Abschluss seiner Dankesworte. Der Landtagspräsident ist mit dem Einbecker Bierorden 2016 der Gesellschaft der Karnevalsfreunde und der Einbecker Brauhaus AG ausgezeichnet worden. Bevor die Verleihungsfeier überhaupt richtig begonnen hatte, lehrte Busemann einen Halbliterglaskrug Einbecker Bier in einem Zuge, ließ sich nicht lange zum Bier bitten. Da hatte ihm Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch gerade gesagt, dass pro Füllung eines solchen Kruges das Land Niedersachsen 5 Cent Biersteuer verdiene…

Vor fünf Jahren wäre Bernd Busemann freilich noch nicht reif für den Einbecker Bierorden gewesen, meinte Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch mit karnevalistischer Strenge. Denn damals habe dieser als Justizminister gefordert, die Grenze für den Alkoholgehalt im Blut von 0,5 auf 0,3 Promille zu senken. Martin Deutsch in der Bütt: „Ich denke, wir können das als Jugendsünde abtun.“ Der Brauereichef hat alle Karnevalsfreunde zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes auf den Hof des Brauhauses eingeladen, wo am 23. April gefeiert wird. Dem ältesten deutschen Lebensmittelgesetz seien die Einbecker noch mindestens 200 Jahre an Tradition voraus, so lange gebe es das Bier in Einbeck bereits, gut 700 Jahre. „Da war meine Heimat noch Weinland“, gab der Bayer zu.

Karnevalspräsident Albert Eggers (r.) verlieh den Bierorden an Bernd Busemann. Links Laudator Dr. Roy Kühne.

Karnevalspräsident Albert Eggers (r.) verlieh den Bierorden an Bernd Busemann. Links Laudator Dr. Roy Kühne.

Busemann hat den Bierorden für seine Verbundenheit mit dem Bier und für besondere Verdienste um den Humor nicht nur in der fünften Jahreszeit erhalten, heißt es in der Verleihungsurkunde. „Bier trinken ist besser als Quark reden“, entgegnete Bernd Busemann. Er sei in einer Dorfkneipe groß geworden, aktiver und bekennender Biertrinker. In der Gaststätte, in der er gerne in Hannover esse, gebe es selbstverständlich auch Einbecker Bier. Beim Bier trinke er besonders gerne das aus Einbeck, „das ist richtig lecker“, und die hätten’s schließlich erfunden – „und kein Schweizer Bonbonhersteller“. Und dass im Landtagsneubau, der gerade entsteht, auch wieder Gastronomie einziehen wird, ist für den Landtagspräsidenten selbstredend. „Bier gibt Saft und Kraft in allen Lebenslagen“, pries der neue Ordensträger den Gerstensaft, für den 1516 das Reinheitsgebot eingeführt wurde. Heutige Gesetze seien da leider weniger langlebig…

Und auch seine Alkoholautofahrt Anfang 2013 nahm Bernd Busemann närrisch kurz aufs Korn. „Bei der Stadt Hannover bin ich aktenkundig“, spielte er mit karnevalistischem Augenzwinkern auf seine Alkoholautofahrt mit dem Dienstwagen an, für die sich Busemann entschuldigt hatte.

Busemann am Handy in der Bütt: die Kanzlerin klingelte durch.

Busemann am Handy in der Bütt: die Kanzlerin klingelte durch.

Die Laudatio auf den neuen Bierordenträger hielt ein Parteifreund, während der Sitzungswoche des Deutschen Bundestages eigens für wenige Stunden nach Einbeck geeilt. Er kenne wenige Politiker, die ihre durch Bier gewonnene Energie dermaßen für die Menschen in Niedersachsen einsetzen, begründete der Northeimer CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne, warum Busemann den Einbecker Bierorden verdient habe. Seit seinem 16. Lebensjahr habe der neue Ordensträger 5131 Liter Bier getrunken, wenn man den jährlichen Durchschnitts-Bierverbrauch in Deutschland unterstelle. „Man sieht’s ihm nicht an“, sagte Kühne. Durch den Bierkonsum habe Busemann in seinem Leben bislang insgesamt fast 2,2 Millionen Kalorien erzeugt, rechnete der Sportwissenschaftler närrisch vor. Und das sei alles „pure Energie“, die Busemann nicht nur beim Bügeln oder Rasen mähen verbrauche, sondern in der Politik.

Und dann klingelte noch Busemanns Handy, als er in der Bütt stand. Die Kanzlerin. Angela wollte wissen, wo er denn gerade sei. Und wer da im Bundestag gefehlt habe. Busemann konnte augenzwinkernd Auskunft geben…

Der neue Bierorden-Träger im Kreis der Karnevalisten sowie MdB Dr. Roy Kühne und Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch (3.v.r.).

Der neue Bierorden-Träger Bernd Busemann im Kreis der Karnevalisten sowie MdB Dr. Roy Kühne (3.v.l.), Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek (links) und Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch (3.v.r.).

Weihnachtsbier

Einbecker Weihnachtsbier.

Einbecker Weihnachtsbier.

Seit einigen Jahren brauen die Einbecker Gerstsaft-Experten pünktlich zum Fest der Feste das Beste: Die Brauhaus AG nennt das Einbecker Weihnachtsbier das „Festliche“. Erstklassige Rohstoffe in spezieller Rezeptur sorgen für seine bernsteinfarbene Optik, schwärmen die Braumeister. Kenner verwechseln das Saisonbier zu Weihnachten keinesfalls mit dem Einbecker Winterbock, der allerdings in verblüffend ähnlicher Etikettierung daherkommt. Doch während der Winterbock 7,5 Volumen-Prozent Alkohol enthält und schnell süffig wird, kommt das Einbecker Weihnachtsbier mit 5,3 Volumen-Prozent Alkohol auf dem Niveau eines Brauherren Pils daher.

Der Einbecker Bierblog wünscht ein frohes Weihnachtsfest und stets ein gekühltes Bier im Keller – ein Einbecker, versteht sich.

Beitragsnavigation