Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

Auf der frischen Fassspur

Ulrike Lauerwald (l.) und Ronja Gillmann mit dem neuen Flyer. Foto: Tourist-Info Stadt Einbeck

Eine frische Fassspur zieht sich wieder durch Einbeck: Pünktlich zur startenden Tourismus-Saison ist das kostenlose, zweisprachige Faltblatt über den „Einbecker Bierpfad“ in einem neuen Design aufgelegt worden. Dieses gibt es druckfrisch in der Tourist-Information im Eicke’schen Haus, teilte Tourismus-Leiterin Ulrike Lauerwald mit. Der „Einbecker Bierpfad“ ist ein Stadtrundgang auf eigene Faust mit einer Länge von etwa 2,3 Kilometern innerhalb der alten Wallanlagen. Entlang der Route bieten Bierfässer mit integrierten Erläuterungstafeln Interessantes in Wort und Bild rund um die Einbecker Bierhistorie. Die aufgesprühten Bierfässer, die den Pfad weisen, hat der Kommunale Bauhof der Stadt Einbeck aufgefrischt. In einem nächsten Schritt sollen für die Saison 2019 in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Bauhof und einer Werbeagentur Ideen für eine noch wetterfestere Komplettsanierung der Stahlfässer und deren Informationen des Pfades entwickelt werden, erklärte Lauerwald.

Übersicht auf Plan mit Erläuterung für den Bierpfad durch Einbeck – das ist das neue Faltblatt in englischer und deutscher Sprache. Abbildung: Stadt Einbeck

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Bock-Box für Entdecker

Bock-Box für Entdecker.

Aus Einbeck in die ganze Welt – schon seit Jahrhunderten erfreut das Bier aus Einbeck nicht allein in der Region die Biergenießer. Weltweit kennt man den stärker eingebrauten Gerstensaft bereits lange. Er ist von jeher bei Bierkennern in vielen Ländern sehr beliebt, weil er einstmals haltbarer als andere Biere unbeschadet auch weitere Land- und Seewege überstanden hat und exportiert werden konnte. Jetzt gibt es ein neues Bockbier aus Einbeck, der Heimat des Ur-Bocks, das daran erinnern will: den Export-Ur-Bock. Ihn hat die Einbecker Brauhaus AG wie seine Saisonbockbiere in einem Sud eingebraut, der nicht dauerhaft im Sortiment ist – wenn dieser ausverkauft ist, dann ist er ausgetrunken. Markant-kräftig mit feiner Hopfennote ist das Export-Bockbier zwischen dem hellen und dem dunklen Ur-Bock angesiedelt. Opak, also nicht durchsichtig, ist das naturtrübe Bockbier, auch wenn es im Glas eingeschänkt nicht den Trübegrad hat wie das „Ainpöckisch 1378“.

Einmal um die ganze Welt und die Flaschen voller Bockbier.

Erhältlich ist das Export-Bockbier ausschließlich in der Pappbox in einer limitierten Sonderedition mit dem pfiffigen Namen „Entdecker-Bocks“. Neben sieben Flaschen ist ein Bierglas enthalten mit Relief-Wappen – und einem Hingucker auf dem Glasboden, der gut sichtbar wird, wenn das Bier ausgetrunken ist: „Seit 1378“ steht dort. Vorbild der Edition in der Pappverpackung ist die unter anderem im Reformationsjubiläumsjahr erhältliche Box mit Luthers Lieblingsbier, dem „Ainpöckisch 1378“. Auf der neuen „Entdecker-Bocks“ aus Pappe wird die Export-Biergeschichte des Einbecker Bieres erzählt: Schon zu Zeiten der mittelalterlichen Hanse im 14./15. Jahrhundert war das Bier aus Einbeck weit geführet, kam bis Reval, Amsterdam und Italien. Auch der bekannte Seeräuber Klaus Störtebeker dürfte hier und da mal ein Fass Einbecker Bieres auf der Nord- und Ostsee erbeutet und genossen haben. Dass die bayerischen Herzöge im frühen 17. Jahrhundert einen Braumeister aus Einbeck abwarben, um das Bier ainpöckischer Brauart auch in München zu brauen, ist bekannt. Weniger bekannt dagegen ist, dass Einbecker Bier im 19. Jahrhundert bis nach Australien, Asien, Südafrika und Südamerika exportiert worden ist und dort Medaillen und andere Auszeichnungen erhielt. Bei der Weltausstellung 1879 in Sydney beispielsweise ist das Bier der Einbecker Brauerei prämiert und ausgeschänkt worden. 1886 warb der Kaufmann und Importeur F. Stoltenhoff damit, dass er der Einzige war, der Export-Bockbier aus Einbeck nach Kapstadt einführen durfte. Einer der größten Importeure Asiens (Jebsen & Co.) brachte das Einbecker 1895 nach Hongkong. In Guatemala wurde das Export-Ur-Bock 1898 vom Ministerio de Formento mit dem Großen Preis ausgezeichnet.

Hingucker auf dem Glasboden.

Für das Export-Bockbier werden ausschließlich neue Einbecker-Glasflaschen verwendet, damit diese in der hochwertigen Verpackung eine gute Figur machen und nicht schon leichte Mehrwegspuren aufweisen, die nach mehrere Mehrweg-Umläufen unvermeidbar wären. Die neue „Entdecker-Bocks“ gibt es ausschließlich im Fan-Shop der Brauerei, bei der Einbecker Tourist-Information im Eicke’schen Haus und bei ausgewählten Getränkehändlern zu kaufen.

Export Ur-Bock, die neue naturtrübe Spezialität, ist zunächst nur einmal gebraut worden.

Schöner Bierdeckel jetzt praktischer

Bierdeckel-Seite.

Bierdeckel sind rund. Oder eckig. Oder Kunstwerke. Oder sie haben eine originelle Stanzung wie der neue von der Einbecker Brauhaus AG, der seit einigen Monaten in der Gastronomie zuhause ist. Der Bierdeckel hat die Form der Einbecker „E“-Wappenmarke und ist auf den Gasthaus-Tischen garantiert ein Hingucker. Aber er war in seiner ersten Auflage nicht ganz so praktisch für die Wirte. Denn auf der einen Seite ist der Deckel im Farbton bis zum Rand gefärbt, auf der anderen Seite gibt es zwar einen weißen Rand, aber nur einen schmalen. Einen zu schmalen für die Gastwirte, um gut sichtbar ihre Striche dort zu markieren und zu notieren, wie viele Biere man dem Gast schon serviert hat. Diese Kritik habe man aufgenommen und eine Verbesserung jetzt umgesetzt, sagt Brauhaus-Sprecher Ulrich Meiser. Deshalb gibt es den schönen Einbecker Bierdeckel auf der einen Seite nun mit einem breiteren weißen Rand um die „E“-Marke. Dann kann dem nächsten Gasthaus-Besuch in der Heimat guter Biere ja imgrunde nichts mehr im Wege stehen.

Der weiße Rand wird breiter: Einbecker Bierdeckel in markanter Stanzung.

Bierstadtlauf superlativ

Und in der Tiedexer Straße ging es für alle Läufer vorbei.

Der Bierstadtlauf 2018 hat alle Dimensionen gesprengt, er war superlativ: Bei schönstem Frühlingssonnenwetter gingen 1433 Teilnehmer auf die verschiedenen Strecken, so viele wie nie zuvor. Die 16. Auflage der Laufsportveranstaltung durch Einbeck hat damit bei der Teilnehmerzahl alle Rekorde getoppt. Und auch Streckenrekorde sind heuer wieder notiert worden (alle Ergebnisse gibt es hier). Leonie Hoppert (Löns-Realschule) stellte im Kleinen Schülerlauf mit 5:48,9 Minuten eine neue Bestzeit auf, die bislang bei 6:16 Minuten stand. Auch bei den Jungen gab’s einen neuen Rekord: Oskar Dicke (Goetheschule) lief  5:40,6 Minuten und war damit besser als die erst im Vorjahr neu aufgestellte Bestzeit 5:42 Minuten. Wie in Stein gemeißelt scheinen die Rekorde aus den Jahren 2004 (!) im Großen Schülerlauf bei den Jungen (Brice Leroy aus Thiais/Frankreich) und 2006 (!) im Großen Bierstadtlauf bei den Frauen (Maria Saborowski von der LG Göttingen). Auch der Rekord bei den Frauen im Kleinen Bierstadtlauf ist seit 2009 unverändert (Tanja Hupfeld von der LG Göttingen). Erstmals in diesem Jahr waren „3000 Schritte“ möglich: Auf den 2,3 Kilometer langen  Spazierweg gingen 48 Teilnehmer aus allen Altersklassen; sie starteten gemeinsam mit den Walkern vom Marktplatz aus auf die Strecke. Jeden Mittwoch treffen sich inszwischen bei der vom Lions-Club Einbeck initiierten Aktion „3000 Schritte“ ältere Menschen zum gesundheitsförderlichen Schreiten. Neu war in diesem Jahr auch der Kleine Teamcup für die teilnehmerstärkste Mannschaft aus Firmen/Vereinen unter 200 Mitarbeitern/Mitgliedern. Hier hatte die Volksbank Einbeck die Nase vorn und erreichte die erstmals vergebene Goldene Bierdose. Der neue Wettbewerb hat zu neuen Teams und Teilnehmern geführt, die sich angespornt fühlten, was die Veranstalter sehr freut. Das Goldene Bierfass der „großen“ Teams über 200 Beschäftigten/Mitgliedern ging einmal mehr an die Mannschaft der Firma Kayser. Nur allein die 5,1 Kilometer des Kleinen Bierstadtlaufs in Sportklamotten bezwingen genügte Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Einbeck nicht. Sie gingen in Feuerwehr-Schutzkleidung und mit schweren Pressluftflaschen der Atemschutzausrüstung auf die Distanz. Organisator Lars Engelke konnte am Ende ein zufriedenes Fazit ziehen, bei dem er seinem mittlerweile gut eingespielten Helferteam ebenso dankte wie allen anderen Unterstützern und den engagierten Teilnehmern. Nächstes Jahr findet der Bierstadtlauf am 11. Mai statt.

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Bierführung: Mehr Technik, aber immer persönlich

Gästeführer im neu benannten „Schalander“-Saal des Brodhauses vor Monitor und Fassböden (v.l.): Marion Bartels, Edeltraud Hebel, Peter Nolte, Elena Küchemann.

Wer mehr über das Einbecker Bier erfahren möchte, kann eine Stadtführung mit Bierprogramm bei der Tourist-Information der Stadt Einbeck im Eicke’schen Haus buchen. Die Erläuterungen der Geschichte des Bieres aus Einbeck haben jetzt einen technischen Fortschritt erfahren, bleiben aber unverändert immer persönlich. Zwar unterstützt jetzt ein Bildschirm im Saal des Brodhauses am Marktplatz nach der Führung die Gästeführer mit Fotos und auch zwei Filmen. Die persönlichen Erklärungen bleiben jedoch erhalten. Die verschiedenen Bierprogramme der Tourist-Info, darunter das Bierdiplom, haben ein Update erhalten; seit 1995 waren sie nahezu unverändert, sind jetzt aktualisiert und modernisiert. Die laminierten Fotos zum Beispiel, die die Gästeführer den Besuchern bislang gezeigt haben und die manchmal in den hinteren Reihen schwer zu sehen waren, sind passé. In Zukunft können rund 40 Besucher (=ein Reisebus) im Saal des Brodhauses problemlos den Monitor erkennen und dabei den Gästeführern lauschen, wie sie die Historie des Gerstensaftes aus der Heimat guter Biere näher bringen. Und dazu die Inhaltsstoffe des Bieres zeigen und den Besuchern in die Hand geben können. „Allein beim Hopfen gibt es 140 verschiedene Sorten für die unterschiedlichen Biere“, sagt Gästeführerin Marion Bartels. Wie ihr Kollege Peter Nolte, gewandetet als Historischer Braumeister, ist Bartels seit ein paar Wochen Bockbiersommelier und damit besonders geschult, zu Aroma, Brauarten und Zutaten erschöpfend Auskunft geben zu können. Gezeigt wird im Saal neben einem aktuellen Video aus der heutigen Brauerei der beliebte gezeichnete Film über das Einbecker Bier im Laufe der Geschichte. Den gibt es übrigens inzwischen in englischer, französischer, schwedischer und italienischer Sprache, eine chinesische Fassung ist in Vorbereitung. Nach einer ausgedehnten Stadtführung, die schon allerlei über das Bierbrauen in Einbeck vermittelt, sitzen die Gäste der Bierprogramme abschließend im Brodhaus und lauschen in gemütlicher Atmosphäre einem Vortrag über Bierhistorie und Biertradition. Damit der Vortrag nicht zu trocken wird, gibt es natürlich Kostproben; die Einbecker Biersorten Brauherren, Bockbier und Pilsener sind immer dabei. Um das „Einbecker Bierdiplom“ zu erlangen, müssen die Teilnehmer das erworbene Wissen über das Bierbrauen testen. Wer’s schafft, ist „diplomierte Bierkennerin“ oder „diplomierter Bierkenner“ mit Urkunde.

Fass mit Namen im Brodhaus.

Neben dem neuen Bildschirm hängen im Brodhaus-Saal zwei Holzfassböden an der Wand, jeweils 200 Kilo schwer und von heimischen Handwerkern mit viel Kraft in das obere Stockwerk getragen, bedankt sich Ulrich Meiser vom Einbecker Brauhaus für den tatkräftigen Einsatz. Im Holz noch erkennbar sind die Liter-Zahlen. Das Brodhaus, das älteste Wirtshaus Niedersachsens, nennt den Saal im Obergeschoss jetzt „Schalander“. In der Sprache der Brauer ist das der Ort, an dem sich die Brauknechte seit alters her mal hinsetzen und entspannen konnten, erläutert Brodhaus-Chefin Conny Schlöter. Auch die drei Fässer, in denen die Brodhaus-Gäste in der Braudiele sitzen, essen und trinken können, haben jetzt Namen statt Nummern. „Brauherren“, „Ainpöckisch“ und „Ur-Bock“ heißen die Fässer. Das Brodhaus-Team hat sich vorgenommen, das Bier noch sensorisch intensiver erlebbar für die Gäste zu machen. Dazu gehören kulinarische Zutaten wie eine Einbecker Biervesper zum Bier ebenso wie die „Bierhochzeit“, ein traditionelles, geselliges Event, das Besucher (männlich wie weibliche) feiern können – neun Monate nach der Hochzeit, wenn die Frau noch nicht schwanger ist.

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Mai-Urbock aus der Champions League

Prost, Einbecker! Bierkutscher Albert Eggers, Reporterlegende Rolf Töpperwien, Vorstand Martin Deutsch, Vize-Bürgermeisterin Antje Sölter, Vorstand Lothar Gauß.

Man gebe Sportreporterlegende Rolf Töpperwien ein Mikrofon. Und er redet natürlich über  Fußball. Auf der Bühne der Einbecker Brauhaus AG sprach der in Osterode geborene 67-Jährige zur Eröffnung des Hoffestes 2018 dann aber auch schnell über das  Einbecker Bier. Das kennt der Kultkommentator schon aus Göttinger Studententagen. „Einbeck spielt in der Champions League, hat das beste Maibock weltweit“, dröhnte Töpperwien. Eine meisterhafte Leistung zeigte auch ganz ohne Training die stellvertretende Bürgermeisterin beim offiziellen Anstich des ersten Fasses Einbecker Mai-Urbock auf der Hoffest-Bühne: Zwei souveräne Schläge versetzte Antje Sölter dem Zapfhahn mit dem Holzhammer, schon floss problemlos der Gerstensaft aus dem Hahn in die Krüge – und spritzte und schäumte nicht wie vergangenes Jahr bei Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Präpariert sei das Fass heuer nicht gewesen, versicherten die Brauhaus-Vorstände Lothar Gauß und Martin Deutsch, die wie vergangenes Jahr bei der Zeremonie zur Seite standen. Antje Sölter habe eben den Holzhahn optimal getroffen und nicht mit dem Zapfen abgeschlagen…

„O’zapft is!“ in diesem Jahr exakt am Tag der ersten belegten Bierrechnung von 1378, vor 640 Jahren also. Mit dem Einbecker Hoffest startet das Brauhaus die Hochphase für das Mai-Urbock, das Premium-Produkt aus der Heimat guter Biere. Dafür gibt’s optimales Bierwetter beim sechsten Hoffest neuer Zeitrechnung auf dem Einbecker Brauereigelände an der Papenstraße. Vorstandssprecher Lothar Gauß lobte das süffige Saisonprodukt, es schmecke wieder ein bisschen besser als im Vorjahr. Und mahnte die vor der Bühne versammelten zahlreichen Besucher unmissverständlich, dass der hochprozentige Mai-Urbock ein Genussgetränk ist. Nichts für den zu extensiven Konsum.

Souverän führte Vize-Bürgermeisterin Antje Sölter zwei Schläge mit dem Hammer.

Mehr Bilder vom Hoffest hier:

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Das Einbecker Azubi-Projekt

Wie sollen die Bierkästen stehen, wo die Strohballen liegen und wo der Bollerwagen positioniert werden? Die Azubis überlegen gemeinsam und packen an.

Das im Brauhaus produzierte Bier findet den Weg nicht allein zu den Gerstensaft-Konsumenten. Bei allem Patriotismus zum heimischen Bier konkurriert das Einbecker in jedem Getränkemarkt mit zahlreichen anderen Marken. Da gilt es, die Kunden auf das Einbecker Bier besonders aufmerksam zu machen. Dafür gibt es spezielle Flächen, die einzelne Lieferanten für ein paar Wochen bespielen dürfen. Was dabei alles zu beachten ist, so eine  Aktionsfläche aufzubauen, lernten jetzt elf Auszubildende des Brauhauses beim Einbecker Azubi-Projekt. In zwei Gruppen traten die angehenden Brauer, Industriekaufleute und Informatikkaufleute gegeneinander an. Jeweils in gemischten, abteilungsübergreifenden Teams. Die Herausforderung: eine Aktion zur Verkaufsförderung mit Gewinnspiel und Vatertags-Bollerwagen als Hauptgewinn so in Szene setzen, dass möglichst kein Getränkemarkt-Kunde ohne Einbecker Bier zur Kasse gehen kann. Eine Jury, bestehend aus dem Vorstand und weiteren leitenden Mitarbeitern, beurteilt am Ende anhand von Fotos, wer das Bier wo und wie bestens ins richtige Licht gerückt hatte. Die Idee zu dem Azubi-Projekt kam von der neuen Personalchefin des Brauhauses, Dorte Simon, die ähnliche Wettbewerbe aus ihrem früheren Job bei einem großen Discounter kennt und damit gute Erfahrungen gemacht hat. Die Wertschätzung für die Arbeit der Kollegen in den anderen Abteilungen, das Verständnis für den Vertrieb und seine Herausforderungen – das und noch manches mehr könne man sonst im Büroalltag während der Ausbildung nicht vermitteln, sagt Simon. Deshalb das Projekt.

Tipps vom Außendienst-Profi gab’s nur anfangs.

Die Azubis gingen voller Motivation ans Werk. Gemeinsam überlegten Tim Marschner (Brauer & Mälzer), Adrian Weindl (Informatikkaufmann), Jannick Will, Lukas Wiegand, Catharina Koch und Carolin Huchthausen (alle Industriekaufleute) unter anderem im Marktkauf-Getränkemarkt in Einbeck, wie sie die verschiedenen Biersorten, in Kästen und in Sechserträgern, optimal im Bereich vor der Kasse positionieren könnten, um die größte Aufmerksamkeit zu erzielen. Anfangs gab Gebietsverkaufsleiter Ingo Peterhans noch Tipps, die die Erfahrung von 20 Jahren Außendienst und noch mehr Jahren im Einzelhandel atmeten, später waren die Azubis auf sich allein gestellt. Und kein Getränkemarkt ist wie der andere: Nicht nur sind die Flächen unterschiedlich groß und mehr oder weniger prominent an den Laufwegen der Kunden platziert, auch konkurrieren immer wieder andere Getränkehersteller neben der Aktionsfläche mit den Produkten aus der Heimat guter Biere. Insgesamt in fünf Märkten hatte jede Gruppe aufzubauen. Keiner war wie der andere, selbst wenn beim vierten Markt schon ein wenig Routine ins Spiel kam.

Während die einen Azubis die Bierkästen in die richtige Position schleppten, bauten andere die Bollerwagen-Einzelteile aus Holz zusammen oder beschrifteten die Preistafeln oder arrangierten die Sechserträger. Zur Verfügung hatten die jungen Brauhaus-Mitarbeiter auch mehrere Heuballen und ein Holzfass zur Dekoration, außerdem als Hingucker einen der Bollerwagen, den es bei einem Gewinnspiel rechtzeitig vor Vatertag zu gewinnen gibt. Während es also galt, mit Bierkästen eine Kulisse zu schaffen, musste die so genannte Dosenschütte aus Pappe aufgebaut werden, außerdem die Pappboxen für die Gewinnspielkarten, deren Halterung exakt auf eine Bierkiste passt – wenn man es richtig faltet. Und bei all dem sollten während des Aufbaus natürlich die Gänge frei- und vom Stroh und Verpackungsmaterial sauber gehalten werden. Schließlich waren normale Geschäftszeiten und Kunden schoben ihre Wagen durch den Getränkemarkt, blickten neugierig, was sich denn da tat. Und Tempo war am Ende auch gefragt, denn allzu lange konnten sich die Azubis mit einem Markt auch nicht aufhalten, um am Ende das Pensum zu schaffen.

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Platz für 3,5 Millionen Bier-Flaschen

Viel Platz ist in der neuen Logistikhalle. Foto: Einbecker Brauhaus AG

Die Einbecker Brauhaus AG hat eine neue Logistikhalle in ihrem Zentrum an der Hansestraße in Betrieb genommen. Diese Halle bietet auf 2500 Quadratmetern insgesamt Platz für 4000 Paletten Vollgut, das sind mehr als 3,5 Millionen Flaschen frisches Bier. „Durch die Größe der neuen Halle und den Wegfall von internem Werkverkehr verbessern wir die Warenverfügbarkeit für unsere Großhändler,“ sagt Thomas Asmer, Leiter des Logistikzentrums. „Unser Ziel sind kurze Wege.“ Den Nutzen haben nach Angaben der Einbecker Brauhaus AG vor allem die Abholer des Getränkefachgroßhandels.

Der Erweiterungsbau mit einer Investitionssumme von rund 1,5 Millionen Euro ist erforderlich geworden durch eine steigende Zahl von Artikeln und durch die Konzentration der Abfüllung am Standort Einbeck. Außerdem benötigt das Einbecker Brauhaus mehr Platz für die Sortierung des Flaschenleerguts und die Verpackung von Kleingebinden. Die freitragende Hallen-Konstruktion sorgt dafür, dass die Fläche optimal ausgenutzt werden kann. Durch eine moderne Heizungstechnik (so genannte Dunkelstrahler) ist die Halle frostfrei, der Staub wird reduziert.

Die neue Logistikhalle ist der Abschluss des 2014 begonnenen Masterplans. „Die Gesamtinvestitionen von 20 Millionen Euro haben sich gelohnt“, sagt Vorstandssprecher Lothar Gauß. „Dadurch konnten wir die Wirtschaftlichkeit und die Durchlaufzeiten in allen Bereichen deutlich erhöhen.“

Brauhaus-Buchstaben

Frisches LED-Licht für die Buchstaben neben dem Portal der alten Ratsschule.

Frühlingsfrisch: Die Buchstaben am Eingang der Brauerei leuchten und glänzen wieder. Kein Wunder, sind sie doch gereinigt und mit frischerem Licht versehen worden. Jetzt strahlt das „Einbecker Brauhaus AG“ wieder wie neu. Modernes LED-Licht lässt den Schriftzug nun leuchten, nachdem er von Mitarbeitern der Firma Struck („Wir bringen ihre Marke zum Leuchten“) aus dem ostwestfälischen Steinheim gereinigt und montiert worden ist; die Oxidation hat man so belassen. Die 19 Buchstaben aus Kupfer prangen schon seit dem großen Umbau 1968 an der Fassade der Verwaltungsgebäudes am Eingang zum Gelände des Brauhauses an der Papenstraße, wo vorher ein Fenster war. Ganz genau weiß man das nicht mehr, aber ein Fotovergleich legt das nahe. Markant auch das Portal der ehemaligen Ratsschule daneben; die Schule war 1826 abgebrannt, die schmuckvolle Eingangstür (durch die man nicht hindurch gehen kann) wurde am Brauereigebäude erhalten. Dann kann das Hoffest 2018 am 28. April kommen.

Die Buchstaben des Schriftzuges wurden gereinigt. Foto: Einbecker Brauhaus AG

So sah’s früher aus, rechts 1968. Foto: Einbecker Brauhaus AG

Neues Licht für die Buchstaben. Foto: Einbecker Brauhaus AG

Pancket-Tradition

Der Krug zum Pancket.

Das Goslarsche Pancket gehört neben der Bremer Schaffer-Mahlzeit und dem Matthaei-Mahl in Hamburg zu den bekanntesten Festmahlen in Norddeutschland, die an eine mittelalterliche Tradition und die Zeiten der Hanse anknüpfen. Glanzpunkt des Abends ist der mittelalterliche Schmaus, zubereitet nach Originalrezepten eines der ältesten in Deutschland erschienenen Kochbücher aus dem Jahr 1587. Bei der 40. Veranstaltung seit 1967 war jetzt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser als Festredner zu Gast in Goslar, vor zwei Jahren war es der damalige Bahn-Chef Rüdiger Grube, der das Fass Einbecker Bier anstach. Seit jeher wird beim Goslarschen Pancket Ainpöckisch Bier gereicht, das naturtrübe Bockbier, gebraut nach mittelalterlicher Rezeptur, unfiltriert und hopfenbetont. Ausgeschänkt wurde das Ainpöckisch Bier, das es sonst nur als Flaschenbier gibt, auch heuer wieder exklusiv als Fassbier in besonderen Tonkrügen mit dem Wahrzeichen der Stadt Goslar, der Kaiserpfalz. Die Wenigsten wissen, dass die frühere städtische Brauerei in Goslar 1918 von der Einbecker Brauerei übernommen und seit 1945 von Einbeck aus verwaltet wurde. „Die Region Goslar ist Einbeck nicht zuletzt durch das Einbecker Bier eng verbunden“, sagt Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch, der mit dem Siemens-Chef und dem Oberbürgermeister das erste Fass traditionell anstach.

Das Traditionsmahl in der Kaiserpfalz mit rund 200 Gästen hatte neben Joe Kaeser einen zweiten Hauptdarsteller: Noch-Außenminister Sigmar Gabriel. Der SPD-Politiker, der dem neuen Bundeskabinett nicht mehr angehören wird, lebt in Goslar und hat bekanntlich als junger Student für das Einbecker Brauhaus als Bierfahrer in Goslar gejobt. Gabriel erhielt von vielen Seiten Zuspruch und Balsam für die verletzte Genossen-Seele – auch vom Goslarer Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk, der früher der CSU und heute der CDU angehört. „Grob falsch“ sei die Entscheidung, dass Gabriel nicht länger Minister bleibe, sagte Junk. Sigmar Gabriel hatte den Kontakt zum Vorstandsvorsitzenden des Weltkonzerns Siemens, dessen Gründerfamilie in Goslar ihre Wurzeln hat, vermittelt. Der OB wies auch Kritik am Pancket zurück. Das Festmahl im mittelalterlichen Stil gebe den Gästen aus Politik und Wirtschaft die Gelegenheit, so über Geschäfte zu reden, wie es im Mittelalter der Rat mit Kaufleuten von Nah und Fern bei einem Glas Wein oder Bier getan habe, sagte Junk. Weitere Fotos vom Goslarschen Pancket, auch mit Sigmar Gabriel, finden sich hier.

In Einbeck wird die frühere Tradition eines „Hanse-Banketts“ seit Jahren leider nicht mehr fortgeführt.

Prost, Einbecker! Goslars OB Dr. Oliver Junk, Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch und Siemens-Chef Joe Kaeser (v.r.) nach dem Pancket-Anstich. Foto: Stadt Goslar

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