Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

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Der doppelte Winterbock-Anstich

Premiere: Vize-Bürgermeister Albert Thormann (l.) sticht das erste Fass Winterbock mit Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch an.

Doppelter Anstich für den Doppelbock: In diesem Jahr gab es erstmals zwei Anstiche für das Winter-Bier der Einbecker Brauhaus AG unmittelbar hintereinander. Am Donnerstag Abend hatte die Brauerei rund 60 Freunde, Kunden und Partner des Hauses in den Urbockkeller eingeladen, wobei Genuss, Geselligkeit und Gaumenfreude im Mittelpunkt des Abends standen, inklusive eines eigens kreierten Dunkelbock-Eis aus Wiebkes Milchhaus. „Bei 24, 25 oder 26 Grad ist der ideale Zeitpunkt und die richtige Witterung, um den Winterbock anzuzapfen“, scherzte Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch. Er dankte den Braumeistern seines Hauses, dass diese wieder einen süffigen Winterbock gebraut haben. Den er so beschrieben hat: „Schaum wie Schnee krönt den rötlich-dunklen Kupferton des Winter-Bocks, der das Aroma gebrannter Mandeln mit einem leichten Stachelbeeraroma harmonisch verbindet. Der Körper ist kräftig und wirkt mit ausgeprägter sowie ausgeglichener Bittere im Nachtrunk. Das malzbetonte Aromaprofil entfaltet sich optimal bei einer Trinktemperatur nicht unter 10 Grad Celsius.“

Im Keller der Brauerei griff der stellvertretende Bürgermeister Albert Thormann beherzt zum Hammer und ließ mit zwei geschickten Schlägen das Winter-Bockbier aus dem Holzfass. Der Hobbywinzer aus Salzderhelden gestand, dass dies eine Premiere gewesen und er der Lehrling gewesen sei. Für alles gebe es immer ein erstes Mal. „Er ist wieder da, der Winterbock, welch eine Freude“, sagte Thormann. „Es ist o’zapft, sagt man in Bayern.“

Da war es für Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek am Freitag Abend auf dem Marktplatz bei der Eröffnung des Eulenfestes mühsamer. Zahlreiche Schläge waren notwendig, bis hier der Winterbock aus dem Holzfass floss. Dafür war das Spätsommerwetter brilliant.

Poetry Slamer Gerrit Wilanek („Ich lese lustige Geschichten vor“) hatte dieses Mal im Urbockkeller nicht nur seinen Liebesbrief für das Einbecker Bier zur Hand, sondern machte sich auch auf Einbeck einen Reim: „Von einem der auszog, das Trinken zu lernen“. Einbeck und das Brauhaus sind für den modernen Dichter keine Unbekannten, ist er doch in Einbeck aufgewachsen und arbeitete sein Onkel als Braumeister früher im Einbecker Brauhaus. Als er als Kind diesen einmal in einen Supermarkt begleitete, stellte sein Onkel dort jemanden „mit Fremdbier“, wie er sagte, an der Kasse zur Rede: „Warum er denn kein Einbecker kaufe, ob er denn keine Ehre im Leib habe“, zitierte der Poet seinen Oheim. Eine der wichtigen Erfindungen neben der des Rades sei das Bockbier, reimte Wilanek. Und das stamme ja nun mal aus Einbeck. „Ohne Bockbier kein Buchdruck, vom Internet ganz zu schweigen.“

Es war ein bisschen mühsam, bis der Winterbock auf dem Marktplatz von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek aus dem Fass gelassen wurde.

Prost, Winterbock: Martin Deutsch und Albert Thormann.

Poetry Slam mit Gerrit Wilanek (r.) im Urbockkeller.

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Große Klasse, beste Sahne

Lothar Gauß geht von Bord.

Mit einer liebevoll und mit vielen Details organisierten, offiziellen ebenso wie sehr persönlichen Würdigung des beruflichen Lebens und mit vielen guten Wünschen ist der Vorstandssprecher der Einbecker Brauhaus AG, Lothar Gauß, im gerade frisch umgestalteten Sudhaus-Schaltraum in den Ruhestand verabschiedet worden, am Monatsende September geht der Brauherr von Bord. „Große Klasse, beste Sahne“, bedankte sich der 65-Jährige für die lobenden Worte. Gauß arbeitete seit Juli 1989 in der Einbecker Brauerei, war seit 1997 Vorstandsmitglied und seit 2011 Vorstandssprecher des Unternehmens. „30 Jahre sind eine lange Zeit im Leben, aber in 640 Jahren Geschichte der Einbecker Brauerei nicht mal fünf Prozent“, sagte Lothar Gauß. Viele Menschen hätten in den Jahrhunderten dafür gesorgt, dass die Braustätte überhaupt so alt geworden sei. „Was nutzt der beste Trainer, wenn er kein Team hat“, dankte Lothar Gauß allen Mitarbeitern der Unternehmensgruppe – und am Ende Ehefrau Barbara. „Brauerei ist wie ein Uhrwerk, sie gibt den Takt auch in unserem Familienleben vor.“ Das werde sich nun im Ruhestand natürlich ändern, wie, das wisse er bislang nicht, große Gedanken für die kommenden Jahre habe er sich noch nicht gemacht. „Aber ich habe schon eine To-do-Liste meiner Frau entdeckt.“ Unendlich Ferien dürften damit passé sein.

Als Meister der Beharrlichkeit, als kritischen Geist mit tiefgründigem Humor, der nie laut werden musste, wenn er sprach, wenn er auch mal seinen Finger in die Wunde legte, als stets fair in der Sache – so beschrieben Vertreter der Brauwirtschaft und Wegbegleiter, die sich bei der Verabschiedung versammelt hatten, den gebürtigen Hohenzollern aus Heigerloch auf der Schwäbischen Alb. Lothar Gauß sei nie nur das eigene Unternehmen wichtig gewesen, in zahllosen Gremien und Vereinigungen von der Soziätät Norddeutscher Brauer bis zur Gesellschaft für Hopfenforschung habe sich der Diplom-Ingenieur für Brauwesen und Betriebswirt engagiert, immer bestrebt den Austausch von Wissen zu fördern, sagte der Präsident des Deutschen Brauerbundes, Dr. Jörg Lehmann.

Im Sudhaus-Vorraum fand die Verabschiedung von Lothar Gauß statt.

Besonnenheit, Beständigkeit und Beharrlichkeit – das habe Lothar Gauß ausgezeichnet. Auch in schwierigen Zeiten habe er sich für das Einbecker Brauhaus eingesetzt, beispielsweise bei der Herauslösung aus dem Brau&Brunnen-Konzern, würdigte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und gleichzeitig Vertreter des heutigen Mehrheitsaktionäts IREKS, Jürgen Brinkmann. Der scheidende Vorstandssprecher habe die Braustätte Einbeck wieder wettbewerbsfähig gemacht. Nach ersten Kontakten 1996 als Malz-Lieferant habe Gauß die IREKS 2011 überzeugt, als Aktionär bei der Einbecker Brauhaus AG einzusteigen. Er dankte Gauß für einen nimmermüden Einsatz, präzise und bis zum letzten Arbeitstag am Ziel arbeitend habe dieser den technischen Masterplan umgesetzt.

„Ein Brauer, der nicht baut, braut nicht mehr lang“, zitierte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die wie Gauß in Weihenstephan studiert hat, eine Maxime des Berufsstandes. Durch die Millionen-Investitionen am Standort Einbeck habe das Unternehmen, maßgeblich von Lothar Gauß und seinem Auge für technische Abläufe beeinflusst, den Wirtschaftsstandort Einbeck gestärkt. Insgesamt 187 Azubis hätten in Gauß‘ Zeit ihren Berufsstart im Brauhaus absolviert. Die Brauerei sei ein „grandioser Werbeträger der Stadt“, überall werde man auf das Bier angesprochen, freute sich die Bürgermeisterin.

Von „Bierkutscher“ Albert Eggers erhielt Lothar Gauß die Bierkutscher-Kappe h.c., ehrenhalber. „Einbecker Bier macht willensstark, charakterfest und erfolgreich“, sagte der Historische Bierkutscher im Sudhaus launig. „Schaut Euch den Lothar an.“

Einbecker in Wieselburg

Ratsvorsitzender Frank Doods (r.) überreichte das Gastgeschenk an Wieselburgs Bürgermeister Günther Leichtfried: Einbecker Mai-Ur-Bock mit den passenden Gläsern. Foto: Gemeinde Wieselburg

Vor einem Jahr bekamen die Bürgermeisterin und der Stadtrat eine Kiste Bier aus Wieselburg, der österreichischen Partnerstadt, die ja auch eine Bierstadt ist. Jetzt war eine Delegation der Stadt Einbeck zu Gast in Wieselburg. Und hatte natürlich die passende Antwort im Gepäck: Ohne Einbeck gäb’s schließlich kein Bockbier, auch nicht in Österreich. Das Gastgeschenk Einbecker Bier (selbstverständlich Mai-Ur-Bock) wurde vom Delegationsleiter, dem Ratsvorsitzenden Frank Doods (SPD), an Wieselburgs Bürgermeister Günther Leitfried übergeben. Neben einem Arbeitstreffen gab es bei dem Austausch-Besuch ein interessantes Programm für die Besucher aus Einbeck, u.a. mit einer Besichtigung des Klosters Melk. Ob dort Bier getrunken wurde, ist nicht überliefert.

Mai-Urbock aus der Champions League

Prost, Einbecker! Bierkutscher Albert Eggers, Reporterlegende Rolf Töpperwien, Vorstand Martin Deutsch, Vize-Bürgermeisterin Antje Sölter, Vorstand Lothar Gauß.

Man gebe Sportreporterlegende Rolf Töpperwien ein Mikrofon. Und er redet natürlich über  Fußball. Auf der Bühne der Einbecker Brauhaus AG sprach der in Osterode geborene 67-Jährige zur Eröffnung des Hoffestes 2018 dann aber auch schnell über das  Einbecker Bier. Das kennt der Kultkommentator schon aus Göttinger Studententagen. „Einbeck spielt in der Champions League, hat das beste Maibock weltweit“, dröhnte Töpperwien. Eine meisterhafte Leistung zeigte auch ganz ohne Training die stellvertretende Bürgermeisterin beim offiziellen Anstich des ersten Fasses Einbecker Mai-Urbock auf der Hoffest-Bühne: Zwei souveräne Schläge versetzte Antje Sölter dem Zapfhahn mit dem Holzhammer, schon floss problemlos der Gerstensaft aus dem Hahn in die Krüge – und spritzte und schäumte nicht wie vergangenes Jahr bei Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Präpariert sei das Fass heuer nicht gewesen, versicherten die Brauhaus-Vorstände Lothar Gauß und Martin Deutsch, die wie vergangenes Jahr bei der Zeremonie zur Seite standen. Antje Sölter habe eben den Holzhahn optimal getroffen und nicht mit dem Zapfen abgeschlagen…

„O’zapft is!“ in diesem Jahr exakt am Tag der ersten belegten Bierrechnung von 1378, vor 640 Jahren also. Mit dem Einbecker Hoffest startet das Brauhaus die Hochphase für das Mai-Urbock, das Premium-Produkt aus der Heimat guter Biere. Dafür gibt’s optimales Bierwetter beim sechsten Hoffest neuer Zeitrechnung auf dem Einbecker Brauereigelände an der Papenstraße. Vorstandssprecher Lothar Gauß lobte das süffige Saisonprodukt, es schmecke wieder ein bisschen besser als im Vorjahr. Und mahnte die vor der Bühne versammelten zahlreichen Besucher unmissverständlich, dass der hochprozentige Mai-Urbock ein Genussgetränk ist. Nichts für den zu extensiven Konsum.

Souverän führte Vize-Bürgermeisterin Antje Sölter zwei Schläge mit dem Hammer.

Mehr Bilder vom Hoffest hier:

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Pancket-Tradition

Der Krug zum Pancket.

Das Goslarsche Pancket gehört neben der Bremer Schaffer-Mahlzeit und dem Matthaei-Mahl in Hamburg zu den bekanntesten Festmahlen in Norddeutschland, die an eine mittelalterliche Tradition und die Zeiten der Hanse anknüpfen. Glanzpunkt des Abends ist der mittelalterliche Schmaus, zubereitet nach Originalrezepten eines der ältesten in Deutschland erschienenen Kochbücher aus dem Jahr 1587. Bei der 40. Veranstaltung seit 1967 war jetzt Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser als Festredner zu Gast in Goslar, vor zwei Jahren war es der damalige Bahn-Chef Rüdiger Grube, der das Fass Einbecker Bier anstach. Seit jeher wird beim Goslarschen Pancket Ainpöckisch Bier gereicht, das naturtrübe Bockbier, gebraut nach mittelalterlicher Rezeptur, unfiltriert und hopfenbetont. Ausgeschänkt wurde das Ainpöckisch Bier, das es sonst nur als Flaschenbier gibt, auch heuer wieder exklusiv als Fassbier in besonderen Tonkrügen mit dem Wahrzeichen der Stadt Goslar, der Kaiserpfalz. Die Wenigsten wissen, dass die frühere städtische Brauerei in Goslar 1918 von der Einbecker Brauerei übernommen und seit 1945 von Einbeck aus verwaltet wurde. „Die Region Goslar ist Einbeck nicht zuletzt durch das Einbecker Bier eng verbunden“, sagt Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch, der mit dem Siemens-Chef und dem Oberbürgermeister das erste Fass traditionell anstach.

Das Traditionsmahl in der Kaiserpfalz mit rund 200 Gästen hatte neben Joe Kaeser einen zweiten Hauptdarsteller: Noch-Außenminister Sigmar Gabriel. Der SPD-Politiker, der dem neuen Bundeskabinett nicht mehr angehören wird, lebt in Goslar und hat bekanntlich als junger Student für das Einbecker Brauhaus als Bierfahrer in Goslar gejobt. Gabriel erhielt von vielen Seiten Zuspruch und Balsam für die verletzte Genossen-Seele – auch vom Goslarer Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk, der früher der CSU und heute der CDU angehört. „Grob falsch“ sei die Entscheidung, dass Gabriel nicht länger Minister bleibe, sagte Junk. Sigmar Gabriel hatte den Kontakt zum Vorstandsvorsitzenden des Weltkonzerns Siemens, dessen Gründerfamilie in Goslar ihre Wurzeln hat, vermittelt. Der OB wies auch Kritik am Pancket zurück. Das Festmahl im mittelalterlichen Stil gebe den Gästen aus Politik und Wirtschaft die Gelegenheit, so über Geschäfte zu reden, wie es im Mittelalter der Rat mit Kaufleuten von Nah und Fern bei einem Glas Wein oder Bier getan habe, sagte Junk. Weitere Fotos vom Goslarschen Pancket, auch mit Sigmar Gabriel, finden sich hier.

In Einbeck wird die frühere Tradition eines „Hanse-Banketts“ seit Jahren leider nicht mehr fortgeführt.

Prost, Einbecker! Goslars OB Dr. Oliver Junk, Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch und Siemens-Chef Joe Kaeser (v.r.) nach dem Pancket-Anstich. Foto: Stadt Goslar

Bierordensträgerin aus der Hopfen-Heimat

(c) fb Frank Bertram

Freude über den von Präsident Albert Eggers überreichten Bierorden bei Claudia Jung. Rechts Laudatorin Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Wenn eine Sängerin einen Orden erhält, liegt die Vermutung nahe, dass sie nicht nur Dankesworte sprechen möchte, sondern auch singen will. So war das jetzt auch bei der Schlagersängerin Claudia Jung, die mit dem Einbecker Bierorden der Gesellschaft der Karnevalsfreunde und der Einbecker Brauhaus AG ausgezeichnet worden ist. Und zum Dank sogleich das Hofbräuhaus-Lied („Oans, zwoa, gsuffa!“) anstimmte, das Publikum in der Rathaus-Narhalla sogleich zum Mitsingen motivierte. In München steht zwar besungenes Hofbräuhaus, aber ohne Einbeck stände es dort nicht. Falls es die neue Bierordensträgerin aus der Holledau, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt, noch nicht gewusst haben sollte, dann hat ihr die ebenfalls aus dem Münchner Umland vor vielen Jahren „zuagroaste“ Einbecker Bürgermeisterin die Geschichte mit Elias Pichler und dem aus Einbeck abgeworbenen Braumeister von 1612 in der Ordenlaudatio nochmal erzählt. Sie sei ja froh, scherzte Dr. Sabine Michalek, dass sie mittlerweile schon „unser Bockbier“ sagen dürfe.

Claudia Jung aus der Hopfen-Heimat hat den Einbecker Bierorden in der 70. Session der Karnevalsfreunde für ihre Verbundenheit mit dem Bier und für besondere Verdienste um den Humor nicht nur in der fünften Jahreszeit erhalten. Als sie vom Einbecker Bierorden gehört habe, sei ihr, der gebürtigen Rheinländerin, rasch klar gewesen: „Da muss ich hin.“ Und weil die Schlagersängerin schon zwei Mal beim Eulenfest in Einbeck aufgetreten ist, hatte dabei natürlich auch der Stargastmacher und Porzellankaufmann Rudi Reinert seine Hände im Spiel. Er holte die Ordensträgerin nicht nur mit dem Auto vom Zug ab, sondern hatte der Bürgermeisterin nach deren augenzwinkernder Auskunft auch die Sorgen vor Starallüren genommen. „Die Claudia Jung, das ist eine klasse Frau, die ist total nett und völlig unkompliziert – so wie ich halt“, zitierte Michalek „Scherben-Rudi“.

Vorjahres-Ordensträger Franky, der eigentlich die Laudatio halten sollte, kam nur per Stimme „zugeschaltet“ im Interview mit Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch zu Wort. „Als Radiohörer sind Sie das ja gewohnt, mich nicht zu sehen“, scherzte der ffn-Morgenmän. Er müsse nun mal um 3 Uhr aufstehen und in Hannover arbeiten, da sei es nicht möglich bis sehr spät abends in Einbeck zu sein. Franky fand es überfällig, dass endlich eine weitere Frau den Einbecker Bierorden erhält. „Und Claudia Jung bleibt immer Jung – egal wie alt sie wird“, kalauerte er. Die Schlagersängerin ist erst die vierte Frau, die den zum 24. Mal vergebenen Karnevalsorden bekommen hat – nach der einstigen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, NDR-Moderatorin Bettina Tietjen und Schauspielerin Rebecca Siemoneit-Barum.

Der Einbecker Bierorden wurde auch in diesem Jahr vor geladenen Gästen aus Karneval, Politik und Wirtschaft mit närrischem Programm im historischen Rathaussaal der Stadt Einbeck verliehen. In den vergangenenen Jahren hatte unter anderem der damalige Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) die höchste närrische Ehrung erhalten. Auch Ministerpräsident Stephan Weil (2014), dessen Vorgänger David McAllister (2010) und Ex-Landrat Michael Wickmann (2012), aber auch Hannover-96-Präsident Martin Kind gehören zu den bisherigen Ordensträgern.

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Ein Video vom Hofbräuhauslied:

Bierorden 2018 geht an Claudia Jung

Das Einbecker Bier kennt sie schon, 2015 überreichte Rudi Reinert beim Eulenfest Claudia Jung eine Holzkiste Bierspezialitäten.

Die Schlagersängerin Claudia Jung erhält den Einbecker Bierorden 2018 der Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck und der Einbecker Brauhaus AG. Der 53-Jährigen wird die Auszeichnung für ihre Verbundenheit mit dem Bier und für besondere Verdienste um den Humor nicht nur in der fünften Jahreszeit überreicht. Claudia Jung ist erst die vierte Frau, die den zum 24. Mal vergebenen Karnevalsorden bekommt – nach der einstigen Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, NDR-Moderatorin Bettina Tietjen und Schauspielerin Rebecca Siemoneit-Barum. Die in der Nähe von Pfaffenhofen lebende Sängerin, die aus dem niederrheinischen Ratingen stammt, sei eine bayerische Frohnatur, „bodenständig und fröhlich“, sagt Karnevalspräsident Albert Eggers. Der Bierorden 2018 in der 70. Session der Karnevalsfreunde Einbeck wird am 31. Januar in der Rathaushalle verliehen.

Einbeck kennt die Preisträgerin schon von zwei Eulenfest-Auftritten. 2004 war Claudia Jung der Stargast, im Oktober 2015 sprang sie nach einer neuerlichen Absage von Schlagerkollegin Michelle kurzfristig ein. Und begeisterte beide Mal Hunderte Schlagerfans auf dem Einbecker Marktplatz. Vor zwei Jahren gab Claudia Jung außerdem nach ihrem Auftritt geduldig Autogramme im Eicke’schen Haus. Ihr aktuelles Album heißt „Frauenherzen“. Ob die bei der Verleihungsfeier auch singen wird, ist bislang nicht bekannt.

Von 2008 bis 2013 gehörte Claudia Jung, die eigentlich Claudia Singer heißt, für die Freien Wähler dem bayerischen Landtag an. Zeitweilig saß sie für die Freien Wähler auch im Gemeinderat ihres Heimatortes Gerolsbach – in einer Hopfengegend.

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Ein Winterbock mit Till, Elias und Martin

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Das Winterbock-Fass war schnell angezapft, sichere zwei Schläge – wie eine Woche zuvor auf dem Marktplatz – benötigte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek beim inzwischen obligatorischen offiziellen Winterbock-Start im Urbockkeller der Einbecker Brauhaus AG. Dort waren rund 80 Kunden, Importeure und Geschäftsfreunde aus China und Skandinavien sowie Vertreter der Politik zu einem Winterbock-Abend mit Genuss, Geselligkeit und Gaumenfreuden zusammen gekommen. Drei Schauspieler des Deutschen Theaters Göttingen übernahmen die Rollen von Till Eulenspiegel, Elias Pichler und Martin Luther und gaben gar manche Bier-Anekdote von sich. Alle drei Figuren haben eine enge, jahrhundertealte Verbindung zum Einbecker Bier: der Till steht deshalb sogar als Brunnenfigur auf dem Marktplatz, der Elias hat den Bayern das richtige Bier brauen beigebracht, und der Martin hatte immer gerne ein Fässchen des besten Tranks, den einer kennt, bei sich zuhause in Wittenberg.

Video-Eindrücke:

Bier in Bethlehem

Landesbischof Ralf Meister (r.) im Gespräch mit Petra und Martin Deutsch, Vorstand der Einbecker Brauhaus AG. Foto: cmf / Claus-Martin Friese

Wo Luther ist, da ist auch das Bier nicht weit. Und da in diesem Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation Luther nie weit weg ist, ist auch das Bier ganz nahe. Das Einbecker zumal. Schließlich hat der Reformator ihn vor fünf Jahrhunderten den besten Trank genennt, den einer kennt. Und wer kein Bier hat, so Luther, der hat nichts zu trinken. Als jetzt der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister im Einbecker Ortsteil Hullersen zu Besuch war, um einen der frühesten Orte zu loben, in dem schon 1522 lutherisch-reformatorisch gepredigt wurde, war natürlich das Einbecker Bier nicht weit. Bei Bier und Bratwurst kamen auch Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch und der Landesbischof ins Gespräch. Den Playmobil-Luther hatte der Bischof da gerade bereits geschenkt bekommen, ein Bierpräsent war obligatorisch. Meister hatte in seiner Predigt von Hullersen als „Bethlehem der Landeskirche Hannovers“ gesprochen, denn hier sei die Reformation geboren worden.

In Hullersen gab sich Ralf Meister auch als Pfadfinder des VCP, des Verbandes Christlicher Pfadfinder, zu erkennen: „Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder!“ Der Pfadfinder-Stamm Hullersen ist nach dem mutigen Augustinermönch Johannes Ebbrecht benannt, der 1522 lutherisch predigte und dafür eingekerkert wurde. Seit den Pfadfinder-Anfängen in Hullersen dabei ist Rüdiger Bechstein. „Pastor Reinhard Sorge hat den Stamm damals gegründet und uns Konfirmanden angesprochen. Benannt wurde der Pfadfinder-Stamm nach dem mutigen Mönch“, erinnert sich der Hullerser, der jetzt in Stuttgart wohnt, sich dem Heimatdorf aber stark verbunden fühlt. Ihm gehört auch die große Wiese, auf der die alljährlichen Zeltlager stattfinden, die die Kirchengemeinde Leine-Weper (Moringen) seit 24 Jahren veranstaltet. Das diesjährige Zeltlager hat Landesbischof Ralf Meister nach dem Festgottesdienst besucht. „Die Wiese ist zu 95 Prozent von Wasser umgeben, was ihr einen ganz eigenen Charakter gibt“, erklärt Dirk Grundmann, Pastor in Moringen seit 24 Jahren. Das Erstaunliche: Die Zeltlagerwiese ist eine naturbelassene Wiese ohne jegliche Infrastruktur. „Alles Erforderliche wird von den Teamern vorher aufgebaut – von der selbst gebauten Ilme-Brücke bis hin zu den Zelten, Toiletten, einem 200-Quadratmeter-Aufenthaltszelt, Materialzelt und Lagerküche, sogar die Wasserversorgung“, sagt Grundmann. Der Fluss dient jedoch nicht nur dafür: Auch Surfbrett-Touren auf der Ilme gehören jedes Jahr zum festen Repertoire.

„Jedes Jahr finden zwei Zeltlager nacheinander dort statt, mit insgesamt 230 Kindern und Mitarbeitern. Sie haben inzwischen Kultstatus erreicht. Viele der beteiligten 40 Teamer sind bereits zum zehnten oder 15. Mal dabei“, erklärt der Pastor im T-Shirt, bis am Eingang des Zeltlagers das große Spektakel beginnt. Denn im Jahr des Reformationsjubiläums haben die Jugendlichen so originalgetreu wie möglich die „Wartburg“ nachgebaut. Ein kleines Anspiel zeigte anschaulich, wie die Wartburg und die entsandten kleinen Ritter mit Schwertern und Kampfklappen Martin Luther (alias Fabian Froböse mit Dackel Fluffy), und die dann beginnende Reformation schützte. Nach einem Rundgang durch das Camp und der Vorstellung des Hullersen-Liedes stellte der Landesbischof, sichtlich beeindruckt, folgendes fest: „Ich habe keine Ahnung, ob ich je nach Hullersen zurück kehre. Aber über Hullersen werde ich noch in zehn oder 15 Jahren Geschichten erzählen können.“ Denn: „Ihr seid hier im Geiste Gottes. Eine große, tolle Gemeinschaft. Das ist eine ganz tolle Botschaft! Und ich durfte für ein paar Minuten diese Gemeinschaft teilen.“

 

Mit der Kutsche beim Sommerfest

Bier an der Bockbierkutsche: Stephan Weil (l.) und Lothar Gauß. Foto: Yorck Maecke/Landesvertretung Niedersachsen

Die Einbecker waren mit der Kutsche vorgefahren… nein, die meisten Gäste waren natürlich mit dem Zug nach Berlin gefahren oder mit dem Auto. Die Brauhaus AG präsentierte aber beim Sommerfest in der Landesvertretung Niedersachsens in der Hauptstadt erstmals die neue Bockbierkutsche als Hingucker-Ausschankwagen. Gut platziert stand die Kutsche in den Ministergärten unweit der Bühne und war bei vielen Kameraschwenks in den TV-Berichten gut zu sehen. Ministerpräsident und Sommerfest-Gastgeber Stephan Weil (SPD) machte bei seiner Runde als Einbecker Bierordenträger natürlich auch am Einbecker Stand eine Bierpause und genoss mit Brauhaus-Vorstandssprecher Lothar Gauß ein frisches 1378-er.

Mit dabei unter den 3000 Gästen des Sommerfestes in Berlin waren aus der Region unter anderem Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, die Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne (CDU) und Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD), Finanz-Staatssekretär Frank Doods (SPD) mit seiner Ehefrau und Kreistagsabgeordneten Nadine Seifert-Doods (SPD), Landtagsabgeordneter Christian Grascha (FDP), Landtagskandidat Joachim Stünkel (CDU) und Künstlerin Evdokia Kulikova (Northeim).

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