Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

Bier in Bethlehem

Landesbischof Ralf Meister (r.) im Gespräch mit Petra und Martin Deutsch, Vorstand der Einbecker Brauhaus AG. Foto: cmf / Claus-Martin Friese

Wo Luther ist, da ist auch das Bier nicht weit. Und da in diesem Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation Luther nie weit weg ist, ist auch das Bier ganz nahe. Das Einbecker zumal. Schließlich hat der Reformator ihn vor fünf Jahrhunderten den besten Trank genennt, den einer kennt. Und wer kein Bier hat, so Luther, der hat nichts zu trinken. Als jetzt der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister im Einbecker Ortsteil Hullersen zu Besuch war, um einen der frühesten Orte zu loben, in dem schon 1522 lutherisch-reformatorisch gepredigt wurde, war natürlich das Einbecker Bier nicht weit. Bei Bier und Bratwurst kamen auch Brauhaus-Vorstand Martin Deutsch und der Landesbischof ins Gespräch. Den Playmobil-Luther hatte der Bischof da gerade bereits geschenkt bekommen, ein Bierpräsent war obligatorisch. Meister hatte in seiner Predigt von Hullersen als „Bethlehem der Landeskirche Hannovers“ gesprochen, denn hier sei die Reformation geboren worden.

In Hullersen gab sich Ralf Meister auch als Pfadfinder des VCP, des Verbandes Christlicher Pfadfinder, zu erkennen: „Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder!“ Der Pfadfinder-Stamm Hullersen ist nach dem mutigen Augustinermönch Johannes Ebbrecht benannt, der 1522 lutherisch predigte und dafür eingekerkert wurde. Seit den Pfadfinder-Anfängen in Hullersen dabei ist Rüdiger Bechstein. „Pastor Reinhard Sorge hat den Stamm damals gegründet und uns Konfirmanden angesprochen. Benannt wurde der Pfadfinder-Stamm nach dem mutigen Mönch“, erinnert sich der Hullerser, der jetzt in Stuttgart wohnt, sich dem Heimatdorf aber stark verbunden fühlt. Ihm gehört auch die große Wiese, auf der die alljährlichen Zeltlager stattfinden, die die Kirchengemeinde Leine-Weper (Moringen) seit 24 Jahren veranstaltet. Das diesjährige Zeltlager hat Landesbischof Ralf Meister nach dem Festgottesdienst besucht. „Die Wiese ist zu 95 Prozent von Wasser umgeben, was ihr einen ganz eigenen Charakter gibt“, erklärt Dirk Grundmann, Pastor in Moringen seit 24 Jahren. Das Erstaunliche: Die Zeltlagerwiese ist eine naturbelassene Wiese ohne jegliche Infrastruktur. „Alles Erforderliche wird von den Teamern vorher aufgebaut – von der selbst gebauten Ilme-Brücke bis hin zu den Zelten, Toiletten, einem 200-Quadratmeter-Aufenthaltszelt, Materialzelt und Lagerküche, sogar die Wasserversorgung“, sagt Grundmann. Der Fluss dient jedoch nicht nur dafür: Auch Surfbrett-Touren auf der Ilme gehören jedes Jahr zum festen Repertoire.

„Jedes Jahr finden zwei Zeltlager nacheinander dort statt, mit insgesamt 230 Kindern und Mitarbeitern. Sie haben inzwischen Kultstatus erreicht. Viele der beteiligten 40 Teamer sind bereits zum zehnten oder 15. Mal dabei“, erklärt der Pastor im T-Shirt, bis am Eingang des Zeltlagers das große Spektakel beginnt. Denn im Jahr des Reformationsjubiläums haben die Jugendlichen so originalgetreu wie möglich die „Wartburg“ nachgebaut. Ein kleines Anspiel zeigte anschaulich, wie die Wartburg und die entsandten kleinen Ritter mit Schwertern und Kampfklappen Martin Luther (alias Fabian Froböse mit Dackel Fluffy), und die dann beginnende Reformation schützte. Nach einem Rundgang durch das Camp und der Vorstellung des Hullersen-Liedes stellte der Landesbischof, sichtlich beeindruckt, folgendes fest: „Ich habe keine Ahnung, ob ich je nach Hullersen zurück kehre. Aber über Hullersen werde ich noch in zehn oder 15 Jahren Geschichten erzählen können.“ Denn: „Ihr seid hier im Geiste Gottes. Eine große, tolle Gemeinschaft. Das ist eine ganz tolle Botschaft! Und ich durfte für ein paar Minuten diese Gemeinschaft teilen.“

 

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