Einbecker Bierblog

Wissenswertes aus der Heimat guter Biere

Bier-Bannmeile

Einer von acht Steinen steht bei Kuventhal.

Einer von insgesamt acht Steinen der Bier-Bannmeile steht bei Kuventhal. Foto: Einbecker Brauhaus AG

Sie stehen leicht verdeckt, versteckt am Straßenrand, und man muss schon sehr genau hinschauen, um sie zu erkennen. Die Gedenk-Stelen, die 1978 aufgestellt worden sind, erinnern an die Bannmeile rund um die Bierstadt Einbeck. Die Einbecker Brauhaus AG hat die acht Steine, jeweils postiert an den Standorten der ehemaligen Wachtürmen der Einbecker Landwehr, der Stadt Einbeck zum 600-jährigen Jubiläum in Erinnerung an den ersten Bier-Beleg geschenkt. Bei einem Bannmeilenmarsch wurden die acht Bannmeilen-Steine vom Rat der Stadt und von der Bevölkerung am 5. Mai 1979 besichtigt, so ist es im Archiv der Einbecker Brauerei notiert.

Was war die Bannmeile? Was war die Landwehr?

Einbeck war im 14. Jahrhundert eine typische Ackerbürgerstadt. Auch wer als Bürger innerhalb der Stadtmauern einem Handwerk nachging, betrieb in der Regel außerdem Ackerbau und Viehzucht, wenn auch in bescheidenem Rahmen vor allem zur Selbstversorgung. Um die Stadtmauer herum hatte sich ein Streifen gebildet, das Einbecker Feld oder die Einbecker Mark genannt. Dieses Areal war in Gartenpartien aufgeteilt, außerdem gab es Gemeinschaftseigentum für die Holzversorgung und für Hut und Weide. Und es waren Hopfengärten angelegt, für eine Bierstadt wie Einbeck eine kostbare Gegend. Zudem hatten reiche Einbecker Familien Grundbesitz in dem Gürtel rund um die Stadt, nicht zuletzt auch die kirchlichen Einrichtungen wie die Klöster oder das Stift St. Alexandri. Dieses stadtnahe Umland, das für eine Stadt lebensnotwendig war, wurde durch eine Landwehr umschlossen, die nach Angaben von Historikern sechs bis sieben Kilometer in Nord-Süd-Richtung und etwa neun bis zehn Kilometer in West-Ost-Richtung maß. Hecken und Gräben sorgten dafür, dass das Hute-Vieh nicht weglaufen und ebenso nicht leicht gestohlen werden konnte. Der Durchgangsverkehr wurde durch die Landwehr auf Wege gelenkt, die von Türmen aus kontrolliert werden konnten. In Einbeck gab es acht solcher Landwehr-Türme: Hube-Turm, Leineturm, Roter Turm, Reinser-Turm, Pinkler-Turm, Klapper-Turm, Bartshäuser-Turm, Kuventhaler Turm. Bei einer mehr als 20 Kilometer langen Landwehr forderten Anlage und Unterhaltung ihren Tribut, den die Bürger beispielsweise durch Wachdienste abzuleisten hatten – oder aber finanziell abgelten mussten.

Die Bannmeile schließlich sicherte den Bierabsatz innerhalb dieser Stadtmark, die Einbeck über Jahrhunderte Wohlstand brachte – inklusive Protektionismus gegenüber fremden Bieren. Innerhalb der Landwehr-Grenzen gab es nur Einbecker Bier. Im 16. Jahrhundert kam es zu einem handfesten Bierstreit zwischen dem Einbecker Rat und dem Landesherrn Herzog Philipp. Der wollte in der Stadt sein Bier für die Hofhaltung brauen, der Rat wollte das nicht, und so machte der Herzog der Stadt kurzerhand mit eigenen Brauhäusern Konkurrenz, beispielsweise in Rotenkirchen. In seinen Ämtern Rotenkirchen und Salzderhelden erließ er außerdem Einfuhr- und Ausschankverbote gegen Einbecker Bier. Der Bann wirkte also in beide Richtungen. Jedoch nicht lange, schnell verglichen sich Landesherr und Stadt wieder.

Zum 600-jährigen Bierjubiläum wurde die historische Karte der Einbecker Landwehr erneuert.

Zum 600-jährigen Bierjubiläum 1978 wurde diese historische Karte der Einbecker Landwehr rekonstruiert.

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Ein Gedanke zu „Bier-Bannmeile

  1. Danke für die tollen Einblicke. Bei meiner Recherche bin ich auf Ihre Webseite gestoßen. Es gibt leider wenig Informationen zur Bannmeile. Umsomehr möchte ich mich bei Ihnen für den ausführlichen Artikel bedanken.

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